1,68 Billionen Dollar. Diese Zahl ist kein Tippfehler – sie entspricht der Gesamtsumme der Autokredite, die amerikanische Haushalte Ende 2025 trugen. Seit 2018 ist diese Schuldenlast um 37 % gestiegen, von damals 1,23 Billionen Dollar. Das zeigt eine gemeinsame Analyse der Denkfabrik The Century Foundation und der Verbraucherrechtsorganisation Protect Borrowers. Fast 86 Millionen Amerikaner – rund jeder vierte – zahlen monatlich einen Kredit für ihr Fahrzeug ab. Das ist keine Randerscheinung mehr. Das ist strukturelles Problem.
Explodierende Fahrzeugpreise treiben die Autoverschuldung in die Höhe
Wer verstehen will, warum die Autoschulden in den USA so drastisch gestiegen sind, muss zuerst einen Blick auf die Neuwagenpreise werfen. Laut dem Marktanalyseunternehmen Edmunds liegt der durchschnittliche Transaktionspreis für ein neues Fahrzeug inzwischen bei fast 49.000 Dollar – gegenüber 35.000 bis 37.000 Dollar im Jahr 2018. Ivan Drury, Direktor für Markteinblicke bei Edmunds, bringt es auf den Punkt : „Das ist eine Preissteigerung von 12.000 bis 14.000 Dollar in weniger als einem Jahrzehnt, und die Löhne sind nicht mitgezogen. »
Besonders brutal trifft es Käufer mit kleinem Budget. Günstige Neuwagen unter 20.000 Dollar sind praktisch vom Markt verschwunden. 2017 boten Hersteller noch 36 Modelle unter 25.000 Dollar an – heute sind es laut Sean Tucker, leitendem Redakteur bei Kelley Blue Book, gerade mal vier. Die Autoindustrie hat ihre Produktpalette bewusst auf zahlungskräftige Käufer ausgerichtet : Über 43 % der Neuwagenkäufe entfallen auf Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mindestens 150.000 Dollar – ein Rekordwert.
Wer trotzdem ein Auto braucht – und in den USA ist das nahezu jeder – nimmt eben einen größeren Kredit auf. Das durchschnittliche Ursprungsdarlehen erreichte Ende 2025 einen Wert von 33.519 Dollar, gegenüber 24.782 Dollar im vierten Quartal 2018. Die monatliche Rate kletterte im gleichen Zeitraum von 506 auf mehr als 680 Dollar.
| Kennzahl | Ende 2018 | Ende 2025 / Q1 2026 |
|---|---|---|
| Gesamte Autoschulden (USA) | 1,23 Billionen $ | 1,68 Billionen $ |
| Durchschnittliche Kreditsumme | 24.782 $ | 33.519 $ |
| Durchschnittliche Monatsrate | 506 $ | 680 $ |
| Anteil Kredite ≥ 7 Jahre Laufzeit | – | 22,9 % |
Niedrigverdiener zahlen paradoxerweise mehr als Gutverdiener
Hier liegt eine der größten Ungereimtheiten dieses Systems : Wer am wenigsten verdient, trägt oft die höchste Kreditlast – absolut wie relativ. Haushalte mit einem Einkommen unter 35.000 Dollar im Jahr zahlen im Schnitt 738 Dollar monatlich für ihren Autokredit. Das sind fast 60 Dollar mehr als der Gesamtdurchschnitt. Gleichzeitig sind ihre Kreditrestschuld-Salden im Schnitt rund 4.000 Dollar höher als bei Haushalten mit über 175.000 Dollar Jahreseinkommen.
Der Grund ? Schwache Bonität bedeutet höhere Zinsen. Wer einen FICO-Score unter 580 hat, zahlt laut The Century Foundation und Protect Borrowers Zinssätze von über 18 %. Bei einem Kredit über 30.000 Dollar mit sechs Jahren Laufzeit summieren sich die Zinskosten allein auf bis zu 14.000 Dollar. Der Durchschnittszinssatz für Neuwagenkredite lag im ersten Quartal 2026 bei 6,9 % – klingt moderat, ist aber für viele Haushalte bereits an der Schmerzgrenze.
Angela Hanks, Leiterin der Politikprogramme bei The Century Foundation, formuliert es klar : „Die Menschen sehen, wie immer mehr von ihrem Gehalt von den Autokosten aufgefressen wird. » Hinzu kommen gestiegene Spritpreise – der nationale Durchschnitt lag laut AAA Anfang Mai 2026 bei 4,53 Dollar pro Gallone, teilweise bedingt durch den Iran-Konflikt.
Rekordlange Kreditlaufzeiten als Schuldenfalle
Um die monatliche Rate halbwegs erträglich zu halten, greifen immer mehr Amerikaner zu Krediten mit extrem langen Laufzeiten. Im ersten Quartal 2026 hatten 22,9 % aller finanzierten Neuwagenkäufe eine Laufzeit von sieben Jahren oder mehr – gegenüber 20,8 % Ende 2025. Das klingt nach einer technischen Verschiebung, ist aber in der Praxis gefährlich.
Lange Laufzeiten senken die monatliche Rate, erhöhen aber die Gesamtkosten deutlich. Wer sieben Jahre zahlt, gibt insgesamt mehr aus – und bleibt oft jahrelang „under water » : Das bedeutet, der Restwert des Autos liegt unter der noch offenen Kreditsumme. Beim nächsten Kauf schleppt man diese Differenz direkt in den neuen Kredit hinein. Ivan Drury bringt das Dilemma treffend auf den Punkt : „Je länger diese Kredite laufen, desto schwerer ist es, sich je wieder aus dieser Lage zu befreien. »
Erschwerend kommt hinzu, dass Monatsraten von 1.000 Dollar und mehr keine Ausnahme mehr sind. Im ersten Quartal 2026 machten solche Raten bereits 20 % aller finanzierten Neuwagenkäufe aus – gegenüber 17 % ein Jahr zuvor. Jeder fünfte Neuwagenkäufer zahlt also jeden Monat mehr als tausend Dollar allein fürs Auto.
Was Betroffene jetzt konkret tun können
Wer in dieser Schuldenspirale steckt oder sie vermeiden will, sollte einige Punkte ernsthaft abwägen :
- Gebrauchtwagen priorisieren : Der Markt für Gebrauchte bietet noch Optionen unter 20.000 Dollar, auch wenn die Preise gestiegen sind.
- Laufzeiten unter 60 Monate anstreben : Kürzere Laufzeiten schützen vor dem „Underwater »-Risiko.
- Bonität vor Kreditantrag verbessern : Schon kleine Verbesserungen beim Kredit-Score können den Zinssatz spürbar senken.
- Gesamtkosten statt Monatsrate vergleichen : Händler fokussieren auf die Rate – du solltest auf den Gesamtpreis achten.
Der Automarkt in den USA ist strukturell zulasten von Menschen mit mittlerem und niedrigem Einkommen verschoben. Wer diese Mechanismen kennt, kann zumindest rational reagieren – auch wenn die Wahlmöglichkeiten zunehmend eingeschränkt werden.
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