Saudiarabiens Elektroautos : Revolution in der Autoindustrie

Weißes Elektroauto fährt auf Wüstenstraße mit Skyline im Hintergrund

Saudi-Arabien baut Öl ab, das weiß jeder. Aber Elektroautos entwickeln ? Das klingt paradox, ist aber bittere Realität für die westliche Automobilindustrie. Mit CEER Motors betritt ein Hersteller die Bühne, der das Potenzial hat, globale Fahrzeugmärkte ernsthaft aufzumischen. Die zwei Modelle des Debüts, der Exobot Sedan und der Exobot SUV, sind keine sanfte Einführung. Sie sind ein Schlag ins Gesicht der etablierten Branche.

CEER Motors : Wer steckt hinter dem saudi-arabischen Elektroauto-Newcomer ?

CEER Motors ist kein Garagenprojekt. Das Unternehmen entstand als Joint Venture zwischen dem Saudi Public Investment Fund (PIF) und Foxconn, dem taiwanesischen Elektronikriesen, der weltweit Millionen iPhones produziert. Diese Kombination aus staatlichem Kapital und industrieller Fertigungskompetenz ist kein Zufall, sie ist Strategie. Saudi-Arabien will sich für die Zeit nach dem Öl neu erfinden, und CEER ist ein zentrales Werkzeug dieser Vision.

Die Produktion soll in King Abdullah Economic City stattfinden, einer Wirtschaftssonderzone nördlich von Dschidda. Bis 2030 plant CEER, sein Modellportfolio auf insgesamt sieben Fahrzeuge auszuweiten, darunter Kompakt- und Mittelklassemodelle. Der Verkaufsstart ist zunächst für Saudi-Arabien geplant, mit anschließender Expansion in andere Länder des Nahen Ostens. Globale Ambitionen schließt das Unternehmen dabei nicht aus, und ich glaube, man sollte sie ernst nehmen.

Die Marke wurde vor einigen Jahren angekündigt, aber erst jetzt sehen wir die ersten konkreten Fahrzeuge. Das Warten lohnt sich : Die Exobot-Modelle setzen optisch einen Standard, der selbst hartgesottene Designkenner überrascht.

Design und Karosserie : Radikal anders als alles, was du kennst

Der erste Blick auf den Exobot Sedan erinnert an den Sbarro Challenge der 1980er-Jahre oder das Bertone Nuccio Konzept. Der SUV erinnert leicht an das Cadillac Urban Luxury Concept von 2010. Solche Vergleiche mit Nischenfahrzeugen zeigen schon, wie ungewöhnlich die Keilform der CEER-Modelle wirklich ist.

Vorn zieht sich ein dünner LED-Streifen über die gesamte Fahrzeugbreite. Er wird von 32 vertikalen LED-Strichen unterbrochen, eine Anspielung auf das Jahr 1932, als Saudi-Arabien zum Königreich wurde. Die Windschutzscheibe mit einer Neigung von 15 Grad soll die Aerodynamik optimieren und misst stolze 94,5 Zoll, was CEER als Weltrekord für Serienfahrzeuge beansprucht. Eine fortschrittliche Reflexbeschichtung schützt die Insassen vor intensiver Sonneneinstrahlung.

Besonders auffällig sind die Flügeltüren. Statt Metall steckt Glas in den Türpanelen, ähnlich dem McLaren Senna. Das Glas lässt sich per Knopfdruck zwischen getönt und opak wechseln. Die Leichtmetallfelgen mit Dreiecksmuster sind von saudi-arabischer Architektur inspiriert. Für mich ist dieses Design nicht nur mutig, es ist konsequent.

Merkmal Exobot Sedan Exobot SUV
Länge 207,1 Zoll (526 cm) 197,6 Zoll (502 cm)
Breite 82,7 Zoll (210 cm) 82,7 Zoll (210 cm)
Höhe 56,3 Zoll (143 cm) ca. 168 cm
Bodenfreiheit Standard 30 cm (11,8 Zoll)

Antrieb und Reichweite : Was der Exobot wirklich unter der Haube hat

Drei Elektromotoren, Allradantrieb, 112-kWh-Akku, das ist die Grundlage. In der First Edition leisten die Exobot-Modelle 850 PS und 999 Nm Drehmoment. Der Sedan sprintet damit in 2,6 Sekunden auf 100 km/h, der SUV in 2,9 Sekunden. Starke Zahlen, aber CEER hat noch mehr in der Schublade.

In der Spitzenausstattung sollen die Fahrzeuge 1.111 PS und 1.499 Nm erreichen. Der Sedan würde dann in 2,1 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, der SUV in 2,4 Sekunden. Wann diese Variante verfügbar sein wird, hat CEER noch nicht kommuniziert, das ist ehrlich gesagt ein Manko.

Die Ladeinfrastruktur setzt auf 800-Volt-Architektur, wobei die maximale Ladeleistung bei 250 kW liegt. Laut Hersteller dauert das Aufladen von 10 auf 80 Prozent weniger als 30 Minuten. Die NEDC-Reichweite beträgt :

  • Exobot Sedan : 416 Meilen (ca. 669 km nach NEDC, realistisch rund 512 km nach EPA-Standard)
  • Exobot SUV : 347 Meilen (ca. 558 km nach NEDC, realistisch rund 426 km nach EPA-Standard)

Technisch interessant ist das Steer-by-Wire-System : Eine klassische Lenksäule fehlt komplett, was dem Design mehr Freiheit gibt und direkt zur ungewöhnlichen Kabinenarchitektur beiträgt. Hinzu kommt eine Hinterradlenkung, die enge Stadtmanöver erleichtert und bei höheren Geschwindigkeiten die Stabilität verbessert. Beide Modelle fahren auf Luftfederung.

Innenraum und Klimamanagement : Für 65 Grad Außentemperatur gebaut

Das Cockpit des Exobot ist von einem 48-Zoll-Display dominiert, das sich von A- bis B-Säule erstreckt. Ergänzt wird es durch einen 10,4-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole und einen 8-Zoll-Screen für die Rückpassagiere. Gesteuert wird alles über ein Yoke-Lenkrad. Ein Duftsystem mit drei wählbaren Aromen ist ebenfalls an Bord, ob das sinnvoll ist, darüber lässt sich streiten.

Interessanter ist die Klimatechnik. CEER behauptet, dass die Innenraumtemperatur von 65 Grad Celsius (entspricht 149 Grad Fahrenheit) auf 32 Grad innerhalb von 10 Minuten sinken kann. Das ist keine Spielerei, das ist für Märkte wie Saudi-Arabien oder die VAE schlicht überlebenswichtig.

Außerdem bieten beide Fahrzeuge ein Fahrerassistenzsystem für Autobahnen mit automatischem Spurwechsel. Sicherheitssysteme entsprechen modernem Standard. Der Exobot ist also nicht nur ein Showcar, er ist für den harten Alltag eines Wüstenklimas konstruiert. Genau das macht ihn glaubwürdiger als viele andere Newcomer-Konzepte, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Jonas
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