Länder fordern Kürzungen : Mehrere hundert Milliarden

Regierungsbeamte sitzen an großem Konferenztisch während Sitzung

2.000 Milliarden Euro, das ist die Summe, die die EU-Kommission für den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen von 2028 bis 2034 vorgeschlagen hat. Ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber dem laufenden Haushalt. Für sechs Mitgliedstaaten ist das schlicht nicht akzeptabel.

Sechs Länder, eine Botschaft : Brüssel muss sparen

Deutschland, Dänemark, die Niederlande, Österreich, Finnland und Schweden haben am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung unmissverständlich Stellung bezogen. Diese sechs sogenannten „sparsamen Länder » fordern Kürzungen von mehreren hundert Milliarden Euro gegenüber dem Kommissionsvorschlag. Ihre Botschaft ist klar formuliert : „Die Europäische Union muss klare Entscheidungen treffen und ihre Haushaltsprioritäten neu ausrichten, genau so wie wir es zu Hause tun. »

Bundeskanzler Friedrich Merz brachte es auf den Punkt, mit einem Satz, der aufhorchen lässt : „Gemeinsam finanzieren wir rund 40 Prozent des EU-Haushalts. Wir sind nicht geizig, aber die von der Kommission vorgeschlagene Verteilung passt einfach nicht in unsere Zeit. » Das ist kein beiläufiger Kommentar, sondern eine politische Kampfansage an Brüssel.

Merz ist dabei kein Neuling in dieser Debatte. Bereits Ende Juli 2026 hatte er öffentlich signalisiert, dass er den geplanten Haushaltsanstieg ablehnt und Einsparungen in dreistelliger Milliardenhöhe für unumgänglich hält. Die Bildung dieser Sechser-Koalition macht aus einer deutschen Einzelposition ein europäisches Gegengewicht.

Land Position Nettozahler (ca.)
Deutschland Kürzungen unbedingt erforderlich Ja, größter Nettozahler
Niederlande Haushaltsanstieg inakzeptabel Ja
Österreich Prioritäten neu setzen Ja
Schweden Starke Kürzungsforderungen Ja
Dänemark EU muss Ausgaben begrenzen Ja
Finnland Solidarisch mit Sparallianz Ja

Alle sechs sind Nettozahler, sie zahlen mehr in den Gemeinschaftshaushalt ein als sie herausbekommen. Das erklärt ihre Skepsis gegenüber einer massiven Ausweitung der EU-Ausgaben.

Was der Kommissionsvorschlag tatsächlich vorsieht

Brüssel hatte seinen Entwurf für den Zeitraum 2028 bis 2034 mit ambitionierten Zielen verknüpft : mehr Geld für Verteidigung, ökologischen Wandel und europäische Wettbewerbsfähigkeit. Der 60-prozentige Anstieg gegenüber dem aktuellen Finanzrahmen soll strategische Souveränität finanzieren, auch vor dem Hintergrund eines zunehmend aggressiven Russlands und eines wirtschaftlichen Wettbewerbs mit den USA und China.

Das klingt vernünftig, aber die Sparsamen sehen das anders. Für sie ist nicht die Richtung falsch, sondern das Ausmaß. Auch sie wollen mehr Geld für Verteidigung, auch sie sehen die geopolitischen Bedrohungen. Was sie ablehnen, ist ein pauschaler Anstieg ohne klare Prioritätensetzung. Mehr Ausgaben in einem Bereich sollte Kürzungen in einem anderen bedeuten, nicht einfach eine Erhöhung aller Posten.

Die sechs Länder fordern konkret :

  • Starke Kürzungen bei Agrar- und Kohäsionsausgaben
  • Klare Priorisierung von Verteidigung und Sicherheit
  • Stärkung der europäischen Industriekompetitivität
  • Keine pauschale Ausgabenerhöhung ohne Gegenleistung

Frankreich und südeuropäische Länder, traditionell Nettobegünstigte, dürften dieser Haltung wenig abgewinnen. Die Fronten im EU-Haushaltstreit sind damit denkbar klar, und die Verhandlungen werden hart.

Irland unter Zeitdruck : Der Haushalt muss noch 2026 stehen

Irland hat derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne und verfolgt ein ehrgeiziges Ziel : den Mehrjährigen Finanzrahmen noch vor Jahresende zu verabschieden. Der Grund ist politischer Natur. 2027 finden in Frankreich Präsidentschaftswahlen statt, und Brüssel befürchtet, dass eine mögliche politische Blockade in Paris oder anderswo die Haushaltsverhandlungen auf unbestimmte Zeit lähmen könnte.

Das Problem dabei : Für den EU-Haushalt ist Einstimmigkeit aller Mitgliedstaaten erforderlich. Jedes einzelne Land hat faktisch ein Vetorecht. Mit einer geschlossenen Sechser-Front, angeführt von Deutschland als größtem Nettozahler, ist eine schnelle Einigung mehr als ungewiss.

Realistisch betrachtet hat Irland nur wenige Monate, um einen Kompromiss zu finden, der sowohl die Sparziele der Nordeuropäer als auch die Förderinteressen der Südeuropäer bedient. Das ist keine leichte Aufgabe, und die Zeit läuft.

Für Merz ist der Druck, schnell nachzugeben, politisch kaum tragbar. In Deutschland steht der Kurs der Haushaltsdisziplin nach wie vor unter öffentlicher Beobachtung. Wer zu Hause Sparmaßnahmen durchsetzt, kann Brüssel kaum einen Blankoscheck ausstellen.

Was diese Haushaltsrunde für die EU-Zukunft bedeutet

Jenseits der aktuellen Zahlen steckt eine grundsätzlichere Frage dahinter : Wie viel Europa wollen die Mitgliedstaaten tatsächlich finanzieren ? Die Debatte um den Mehrjährigen Finanzrahmen 2028-2034 ist auch eine Debatte um das Modell der europäischen Integration selbst.

Wer auf die Geschichte schaut, erkennt ein Muster : Bereits beim Finanzrahmen 2021-2027 zogen sich die Verhandlungen bis Februar 2020 hin, bevor die Corona-Pandemie alles durcheinanderwarf und den Weg für das beispiellose Wiederaufbauprogramm NextGenerationEU freimachte. Diesmal gibt es kein solches einigendes Kriseninstrument.

Mein klarer Rat an alle, die diese Debatte verfolgen : Schaut nicht nur auf die Summen, sondern auf die Machtstruktur dahinter. Wer zahlt, bestimmt mit. Und sechs Länder, die gemeinsam 40 Prozent des Budgets schultern, werden sich nicht einfach überstimmen lassen, egal wie viel politischer Druck aus Brüssel kommt. Die wirklich interessante Frage ist, welche Ausgabenprioritäten am Ende geopfert werden, um alle an einen Tisch zu bringen.

Jonas
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