GTA 6 : Take-Two untersucht Datenlecks intensiv

Geschäftsmann beugt sich über Tisch in Konferenzraum mit Kollegen

Zwei Wochen vor der geplanten Veröffentlichung eines umfangreichen Gameplay-Überblicks auf Netflix tauchte eine anscheinend vollständige Vorabversion von Grand Theft Auto VI im Netz auf. Dahinter steckte ein Angreifer unter dem Pseudonym Cyberleek, der die Gelegenheit auch gleich nutzte, um seine eigene Kryptowährung zu bewerben. Seitdem ist er spurlos verschwunden. Take-Two, der Mutterkonzern von Rockstar Games, gibt sich trotzdem kämpferisch und lässt die Ermittlungen keineswegs einschlafen.

Das DMCA-Instrument : wie Take-Two rechtlich vorgeht

Take-Two setzt dabei auf ein bewährtes juristisches Werkzeug : die Vorladung nach dem Digital Millennium Copyright Act (DMCA). Dieses US-amerikanische Urheberrechtsgesetz erlaubt es Rechteinhabern, Plattformen zur Herausgabe von Nutzerdaten aufzufordern, ohne direkt eine Klage einreichen zu müssen. Das ist taktisch klug. Man sammelt erst Informationen, bevor man handelt.

Laut Dokumenten, die das Portal TorrentFreak einsehen konnte, hat Take-Two inzwischen eine neue Vorladungsanfrage gestellt. Der entscheidende Unterschied zu früheren Schritten : Das Unternehmen fordert ausdrücklich, dass die Identität der betroffenen Personen nicht öffentlich gemacht wird. Die Begründung ist nachvollziehbar : Würden Namen auftauchen, könnten andere Beteiligte gewarnt werden und Beweise vernichten.

Bislang hatte Take-Two diese Methode vor allem gegen Discord-Nutzer eingesetzt, die an der Verbreitung von GTA-6-Material beteiligt waren, direkt oder am Rande. Tausende Accounts standen bereits im Visier. Die folgende Tabelle fasst die bisherigen Ermittlungsschritte zusammen :

Zielplattform Maßnahme Ergebnis
Discord DMCA-Vorladungen gegen tausende Nutzer Laufend, Kooperation noch offen
Google (3 Konten) Anfrage auf Nutzerdaten Abgelehnt, Antrag zurückgezogen
Unbekannte Ziele Neue anonymisierte Vorladung Laufend, Details vertraulich

Take-Two selbst beschreibt den Fall als eine Angelegenheit, die sich « schnell weiterentwickelt ». Das klingt nach echtem Fortschritt, auch wenn konkrete Namen oder Festnahmen bislang ausbleiben.

Rückschläge und offene Fronten bei der Tätersuche

Nicht alles läuft nach Plan für den Publisher. Drei Google-Konten standen im Fokus der Ermittler : Cyberleeks, Surfer24K und Cyberleekario. Alle drei wurden verdächtigt, mit dem ursprünglichen Datenleck in Verbindung zu stehen. Doch ein Richter lehnte den entsprechenden Auskunftsantrag ab. Daraufhin zog Take-Two den Antrag zurück mit der offiziellen Begründung, man benötige die gesuchten Informationen nicht mehr. Ob das stimmt oder schlicht das Beste aus einer schlechten Lage gemacht wird, bleibt offen.

Discord bleibt damit die wichtigste verbleibende Baustelle. Ryan Rigney, der Marketingchef der Plattform, erklärte am 24. August öffentlich, noch keine Vorladungen erhalten zu haben. Er betonte zudem, man werde « Legitimität und Reichweite » solcher Anfragen prüfen, bevor man reagiere. Das ist keine Absage, aber auch kein grünes Licht. Für Take-Two bedeutet das : Geduld ist gefragt.

Drei zentrale Fragen bleiben dabei ungeklärt :

  • Wer genau steckt hinter dem Pseudonym Cyberleek ?
  • Wie viele weitere Personen waren an der Vorbereitung und Verbreitung beteiligt ?
  • Welche konkreten Daten hat Discord tatsächlich gespeichert ?

Diese Ungewissheiten machen deutlich, wie komplex solche Ermittlungen in der Praxis sind, selbst für einen Konzern mit den Ressourcen von Take-Two.

Was das Datenleck für die Gaming-Branche bedeutet

Man sollte diesen Fall nicht als isolierten Vorfall betrachten. GTA 6 gehört zu den meisterwarteten Spielen überhaupt. Schätzungen zufolge investierte Rockstar Games mehr als 2 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung. Ein Datenleck kurz vor einem strategisch wichtigen Marketing-Ereignis ist da kein kleiner Betriebsunfall, sondern ein schwerer Imageschaden und ein potenzielles Sicherheitsrisiko für das gesamte Projekt.

Ich finde es bemerkenswert, dass Take-Two trotz des Rückschlags bei Google weiter so konsequent vorgeht. Viele Unternehmen hätten nach einem richterlichen Nein den Fall intern abgehakt. Hier kämpft man weiter, mit neuen Vorladungen, neuer Strategie, angepasstem Vorgehen. Das zeigt, wie viel auf dem Spiel steht.

Für die Gaming-Community bleibt die Sache zwiespältig. Einerseits versteht man den Ärger von Rockstar und Take-Two. Andererseits hat der Leak das Interesse an GTA 6 nochmals in die Höhe getrieben. Ironie des Schicksals : Der Täter hat dem Spiel möglicherweise mehr Aufmerksamkeit verschafft, als jede offizielle Kampagne es gekonnt hätte.

Offen bleibt außerdem, ob der Leak überhaupt Auswirkungen auf den Erscheinungstermin hat. Bislang hat Rockstar dazu geschwiegen. Solange das so bleibt, wächst die Neugier der Spieler weiter, was letztlich auch kein schlechtes Ergebnis für Take-Two ist.

Discord als Schlüsselakteur : worauf es jetzt ankommt

Die Zusammenarbeit mit Discord könnte entscheidend dafür sein, ob Take-Two jemals an die Identität der Hauptverantwortlichen gelangt. Die Plattform hat mit über 200 Millionen monatlich aktiven Nutzern eine enorme Datenmenge gespeichert. Viele der betroffenen Kanäle, in denen GTA-6-Material geteilt wurde, liefen genau dort.

Dass Ryan Rigney sich so öffentlich und vorsichtig äußert, lässt vermuten, dass Discord intern noch keine klare Linie gefunden hat. Das ist verständlich : Eine Plattform, die zu schnell kooperiert, riskiert das Vertrauen ihrer Nutzer. Eine Plattform, die sich zu lange querstellt, riskiert rechtliche Konsequenzen. Das Gleichgewicht zu finden ist knifflig.

Mein Rat an alle, die glauben, hinter einem Pseudonym sicher zu sein : Schaut euch diesen Fall genau an. Take-Two zeigt gerade, dass selbst anonymisierte Online-Aktivitäten rückverfolgbar sind, wenn der Rechteinhaber entschlossen genug ist und die richtigen juristischen Hebel ansetzt. Cyberleek dachte vermutlich dasselbe wie viele andere. Die Ermittlungen laufen trotzdem weiter.

Elena
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