90 Minuten hätten nicht gereicht. Erst in der Nachspielzeit, in der vierten Minute davon, hat Deutschland die Partie gegen die Elfenbeinküste gedreht. Ein 2 :1-Sieg, der sich anfühlte wie eine Befreiung, und der die DFB-Elf erstmals seit zwölf Jahren wieder in die K.-o.-Runde einer Weltmeisterschaft schickt.
Undav rettet Deutschland mit einem Doppelpack
Es war nicht schön, aber es war effektiv. In Toronto lieferten Julian Nagelsmanns Männer einen Auftritt voller Nervosität, retteten sich aber am Ende durch individuelle Klasse. Der Mann des Abends : Deniz Undav, Stürmer des VfB Stuttgart, der als Einwechselspieler kam und das Spiel auf den Kopf stellte.
Bis zu seiner Einwechslung lief Deutschland einem Rückstand hinterher. Franck Kessié hatte die Ivorer in der 30. Minute in Führung gebracht, das erste wirkliche Chance der Elefanten, direkt genutzt. Manuel Neuer war machtlos. Deutschland dagegen scheiterte mehrfach am eigenen Unvermögen : Aleksandar Pavlovic (23.) und Kai Havertz (39.) sahen ihre Treffer jeweils wegen Abseits aberkannt. Zur Pause stand es 0 :1, und das Spiel wirkte, als käme Deutschland nicht ins Rollen.
Dann kam Undav. In der 68. Minute glich er aus, kühl und konzentriert. Doch die eigentliche Geschichte schrieb er in der Nachspielzeit. Nach einem perfekten Steilpass von Felix Nmecha ließ er sich nicht zweimal bitten und traf zum 2 :1-Endstand (90.+4). Sein zweites Tor an diesem Turnier, er hatte bereits gegen Curaçao getroffen. Undav etabliert sich damit als einer der gefährlichsten Offensivspieler der deutschen Mannschaft bei dieser WM.
| Spieler | Aktion | Minute |
|---|---|---|
| Franck Kessié | Tor (Elfenbeinküste) | 30′ |
| Deniz Undav | Ausgleich (Deutschland) | 68′ |
| Deniz Undav | Siegtreffer (Deutschland) | 90’+4 |
Was bleibt : Ohne Undavs Eingriff wäre Deutschland trotz des 7 :1-Auftakts gegen Curaçao in ernstem Trouble gewesen. Kein Nagelsmann-Team lebt von Glück allein, aber dieser Sieg zeigt, dass der Kader Tiefe besitzt. Reservisten, die entscheiden können, das ist kein Zufall, das ist Kaderplanung.
Erstmals seit 2014 wieder in der Runde der besten 32
Wer die letzten zwei Weltmeisterschaften verfolgt hat, weiß, welche Last auf diesem Ergebnis liegt. 2018 in Russland scheiterte Deutschland schon in der Vorrunde. 2022 in Katar dasselbe Bild. Zweimal hintereinander früh raus, zweimal Enttäuschung auf nationaler Ebene. Das Trauma der Gruppenphase saß tief.
Jetzt, am 20. Juni 2026 in Toronto, ist dieses Kapitel endlich geschlossen. Mit sechs Punkten aus zwei Spielen qualifiziert sich Deutschland als einer der ersten Teams der WM 2026 für das Achtelfinale. Die letzte vergleichbare Leistung datiert aus Brasilien 2014, wo die Mannschaft bekanntlich den Titel holte.
- 2014 (Brasilien) : Weltmeister, Vorrunde problemlos überstanden
- 2018 (Russland) : Gruppenphase, Ausscheiden nach Niederlagen gegen Mexiko und Südkorea
- 2022 (Katar) : Gruppenphase, erneutes Ausscheiden trotz Sieg gegen Costa Rica
- 2026 (Kanada/USA/Mexiko) : Achtelfinale bereits gesichert nach zwei Spieltagen
Nagelsmann hat aus einer Mannschaft, die zuletzt mehr Fragen als Antworten lieferte, wieder ein funktionierendes Kollektiv geformt. Gegen die Elfenbeinküste war es kein Meisterwerk, aber die Mentalität stimmte. Deutschland gab nicht auf, auch nicht nach einer Stunde Rückstand und null Toren aus dem Spiel heraus.
Die Elfenbeinküste zittert noch um die Qualifikation
Die Ivorer können sich ärgern, und das zurecht. Gleich zweimal hatten sie nach der Pause die Chance, das Spiel zu entscheiden. Christ Inao Oulaï ließ in der 52. Minute eine Flanke über den linken Pfosten von Neuer streichen, Zentimeter entschieden. Drei Minuten vor Schluss vergab Simon Adingra, Profi bei der AS Monaco, die Führung durch einen misslungenen Ballkontakt in einer hochkarätigen Situation.
Zwei Fehler in Schlüsselmomenten, ein verpasster Sieg. Stattdessen stehen die Elefanten nun auf Platz zwei der Gruppe E, noch vor den Partien des letzten Spieltags. Ihre Qualifikation für das Achtelfinale ist nicht gesichert, aber auch nicht verloren. Alles hängt vom Ergebnis zwischen Ecuador und Curaçao ab, das am frühen Sonntagmorgen in Kansas City stattfand.
Frankreich, Spanien oder England werden im weiteren Turnierplan auf bessere Gegner warten als eine Elfenbeinküste, die gegen Deutschland technisch solide, aber in den Entscheidungsmomenten zu fehleranfällig war. Kessié zeigte, dass diese Mannschaft schlagen kann. Adingra und Oulaï zeigten aber auch, dass Effizienz noch nicht ihr stärkstes Merkmal ist.
Für Deutschland hingegen geht der Blick jetzt nach vorn. Nagelsmann hat drei Punkte mehr als erhofft, einen aufstrebenden Torjäger in Topform, Undav trifft nun in jedem WM-Spiel 2026, und die psychologische Last der letzten acht Jahre vom Hals. Das K.-o.-System wartet. Genau dort beginnt der echte Test.
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