Allemagne : culture, histoire et destinations

Paar blickt auf Schloss Neuschwanstein und Alpenpanorama

Boston, 30. Juni 2026. Die Mannschaft liegt am Boden. Ein Elfmeterschießen, ein Paraguayaner, der jubelt, und Hunderte von deutschen Journalisten auf der Pressetribüne, die fassungslos in ihre Laptops starren. Deutschland scheidet in der Runde der 32 aus der WM aus, besiegt von einer Mannschaft, die kaum jemand auf dem Zettel hatte. Das Ergebnis : 1 :1 nach Verlängerung, 3 :4 im Elfmeterschießen. Für viele Beobachter ist das der tiefste Punkt des deutschen Fußballs seit Jahrzehnten.

Drei Turniere, drei Frühausscheiden : eine Krise ohne Ende

Das ist keine einmalige Panne mehr. Zum dritten Mal in Folge scheitert Deutschland vor dem Achtelfinale einer Weltmeisterschaft. 2018 Gruppenphase, 2022 Gruppenphase, jetzt 2026 Runde der 32. Ein Muster, das sich einbrennt. Wer glaubte, dass die Heimweltmeisterschaft 2024 (als Gastgeber der EM) einen Neustart bedeutet hatte, wurde brutal enttäuscht.

Was diese Niederlage besonders schmerzhaft macht : Das Elfmeterschießen war immer die ureigene Domäne des deutschen Fußballs. Kein anderes Team war in dieser Disziplin historisch so zuverlässig. Bei Weltmeisterschaften hatte die Mannschaft bis Montag kein einziges Elfmeterschießen verloren. Diese Statistik gehört jetzt der Vergangenheit an. Joshua Kimmich, Kapitän und Gesicht der Mannschaft, stand danach vor den Mikrofonen und suchte nach Worten : „Als Kind habe ich die Nationalmannschaft im Halbfinale, im Finale gesehen. Das ist eine Freude, die wir den Kindern und den Menschen zuhause geben wollen. Wir haben es nicht geschafft. » Ein Satz, der alles sagt.

Der Journalist Frank Hellman, der das Spiel vor Ort verfolgte, hatte bereits vor dem Anpfiff gewarnt. Seine Einschätzung war klar und schonungslos : Neuer sei ein schwerwiegender Fehler. Und er sollte Recht behalten, auch wenn der Torwart technisch keine katastrophale Leistung zeigte.

Nagelsmanns Entscheidungen unter dem Mikroskop

Julian Nagelsmann trägt schwer an dieser Niederlage. Der Bundestrainer, der 2016 mit Hoffenheim als Wunderkind der Bundesliga galt, steht nun vor den Trümmern eines Turniers, das für Deutschland schon nach dem ersten Knock-out-Spiel endet. Und die Kritik trifft ihn von mehreren Seiten gleichzeitig.

Zuerst die Aufstellung. Kimmich spielte in einer hybriden Rolle, die niemand wirklich definieren konnte : kein echter Innenverteidiger, kein klassischer Rechtsverteidiger, kein Sechser. Das Ergebnis war ein destabilisiertes Mittelsystem und ein völlig isolierter Leroy Sané auf der rechten Seite, der ohne jede Unterstützung in paraguayische Doppeldeckungen lief. Sané zeigte insgesamt eine erschreckend schwache Leistung.

Spieler Position laut Nagelsmann Bewertung
Kimmich Hybrid (IV/RV/Sechser) Taktisch verloren
Sané Rechtsaußen Kaum eingebunden, schwach
Neuer Tor Zwei Paraden, aber umstritten
Tah Innenverteidiger Unsicher, kritisiert

Dann die Einwechslungen. Goretzka zur Halbzeit, Woltemade kurz vor Abpfiff : Entscheidungen, die selbst hartgesottene Nagelsmann-Fans nicht nachvollziehen konnten. Paraguay-Keeper Orlando Gill musste sich den ganzen Abend kaum strecken. Ein einziger Kopfballtreffer von Havertz nach der Pause war alles, was Deutschland zustande brachte. Das sagt alles über die offensive Kreativität dieses Teams.

Und schließlich : Manuel Neuer. Der 40-jährige Torwart hatte zunächst seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Nagelsmann holte ihn zurück, obwohl Oliver Baumann bis dahin überzeugend gespielt hatte. Hellman formulierte es direkt : „Neuer war schon 2018 und 2022 Teil der Misserfolge. Nicht mal unter den sechs besten Torhütern der Bundesliga diese Saison. Das war ein großer Fehler. » Und weiter : Diese Entscheidung habe den Kader gespalten. Bayern-Spieler begrüßten Neuers Rückkehr, andere Spieler deutlich weniger.

Was jetzt ? Nagelsmanns Zukunft und die Frage nach dem Neuanfang

Nach dem Abpfiff stellten die Journalisten die unvermeidliche Frage : Bleibt Nagelsmann ? Seine Antwort klang wie die eines Mannes, der sich bereits auf das Schlimmste vorbereitet :

  • Er sei nicht der Typ, der weglaufe.
  • Es gebe Dinge, die sich ändern müssten, aber jetzt sei nicht der Moment dafür.
  • Wenn der Verband wolle, dass er weitermache, werde er weitermachen.
  • Wenn nicht, solle man es ihm sagen.

Eine seltsam passive Haltung für einen Trainer, der eigentlich als entscheidungsfreudig gilt. Nagelsmann hatte sich während des Spiels zudem mit einer deutschen Journalistin gestritten, was die Atmosphäre zusätzlich aufgeheizt hatte.

Kimmich sprang dennoch für seinen Trainer in die Bresche, den er auch vom FC Bayern kennt : „Es waren nicht der Trainer, nicht die Medien, nicht der Schiedsrichter, nicht der Gegner. Wir Spieler haben Fehler gemacht und übernehmen die Verantwortung. » Ein nobeles Statement, das die strukturellen Probleme aber nicht kaschieren kann. Denn die Krise der Mannschaft geht tiefer als eine schlechte Nacht in Boston.

Was jetzt kommt, ist entscheidend. Der DFB steht vor einer echten Grundsatzentscheidung : Weitermachen mit Nagelsmann und einem System, das seit drei Turnieren nicht funktioniert, oder ein radikaler Schnitt ? Frankreich und Schweden, die noch im Turnier sind, können sich derweil entspannt zurücklehnen. Der deutsche Fußball braucht keine Tröstungsfloskeln. Er braucht eine ehrliche Analyse, mutige Personalentscheidungen und einen Plan, der über das nächste Freundschaftsspiel hinausgeht. Das Elfmeterschießen von Boston sollte der Weckruf sein, nicht nur eine weitere bittere Erinnerung.

Jonas
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