Berlin Gay Pride : Angreifer bei Polizeieinsatz getötet

Polizisten sichern bunte Pride-Parade mit Regenbogenflaggen

Ein Mann ist tot. Der mutmaßliche Angreifer des Berliner CSD-Anschlags vom Samstag wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz im Stadtteil Spandau erschossen. Was am Morgen noch wie eine Fahndung aussah, endete mit einem Schuss und dem Tod des Verdächtigen.

Tödlicher Polizeieinsatz in einem Berliner Kleingarten

Der Einsatz fand in einer Kleingartenanlage im Bezirk Spandau statt, einem westlichen Stadtteil Berlins. Die Berliner Polizei bestätigte am Sonntagabend auf der Plattform X, dass der dort gestellte Mann tatsächlich der gesuchte Tatverdächtige war. Die Identifizierung erfolgte noch am Einsatzort.

Was genau passierte, beschrieb die Polizei in knappen, aber eindeutigen Worten : Der Verdächtige sei „mit einer Hiebwaffe in Richtung unserer Einsatzkräfte gelaufen ». Daraufhin machten Beamte des Spezialeinsatzkommandos SEK Berlin von ihren Schusswaffen Gebrauch. „Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch die Feuerwehr ist der Mann noch am Einsatzort verstorben », heißt es in der offiziellen Mitteilung.

Kein Ermessensspielraum, keine Eskalation ohne Vorwarnung, so sieht das zumindest die offizielle Darstellung aus. Ob der Mann tatsächlich eine unmittelbare Bedrohung darstellte, wird die Staatsanwaltschaft klären müssen. Bei Schusswaffeneinsätzen durch Polizeibeamte ist in Deutschland eine automatische Überprüfung vorgesehen.

Das SEK Berlin gilt als die schlagkräftigste Spezialeinheit der Berliner Polizei. Sie wird ausschließlich bei hochgefährlichen Lagen eingesetzt : Geiselnahmen, bewaffnete Täter, terroristische Bedrohungen. Dass sie hier zum Einsatz kam, zeigt, wie ernst die Behörden die Situation einschätzten.

Der Anschlag auf den Berliner CSD : was am Samstag geschah

Einen Tag zuvor hatte sich die Tat ereignet, die Berlin erschütterte. Bei der Berliner Gay-Pride-Parade, dem Christopher Street Day, fuhr ein Mann in die feiernde Menge. Eine Frau starb. Zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt.

Die Opferzahlen stiegen im Laufe des Sonntags erheblich. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt korrigierte die Zahlen deutlich nach oben :

Zeitpunkt Gemeldete Verletzte Quelle
Samstagnacht (erste Meldungen) 16 Feuerwehr Berlin
Sonntagmorgen 3 in kritischem Zustand Berliner Feuerwehr
Sonntagabend 29 Verletzte insgesamt Bundesinnenminister Dobrindt

29 Verletzte. Eine Tote. Das ist die nüchterne Bilanz eines Anschlags mitten in einer der größten Städte Europas, bei einer Veranstaltung, die Offenheit und Vielfalt feiert. Es gibt kaum einen symbolisch aufgeladenen Ort als diesen.

Bundeskanzler Friedrich Merz sprach am Sonntagmorgen während eines Gottesdienstes in der Berliner Marienkirche. Er betonte, dass nach aktuellem Stand niemand mehr in Lebensgefahr schwebe. Eine gewisse Erleichterung, auch wenn das an der Schwere der Tat nichts ändert.

Jihadistischer Hintergrund : was bisher über den Täter bekannt ist

Der Verdächtige galt deutschen Sicherheitsbehörden als mutmaßlicher Jihadist. Weitere Details zu seiner Identität und seinen möglichen Verbindungen zu extremistischen Netzwerken werden von den Ermittlungsbehörden derzeit noch untersucht. Klar ist : Der Angriff auf den CSD war kein Zufall.

Gay-Pride-Veranstaltungen sind für islamistische Extremisten ein bewusstes Ziel. Sie stehen symbolisch für alles, was fundamentalistische Ideologien ablehnen. Der Berliner CSD zählt zu den größten seiner Art in Europa, mit Hunderttausenden Teilnehmern jedes Jahr. Ein Anschlag dort hat maximale Sichtbarkeit.

Folgende Punkte sind nach aktuellem Stand der Ermittlungen gesichert :

  • Der Täter fuhr am Samstag mit einem Fahrzeug in die Menschenmenge beim Berliner CSD.
  • Eine Frau kam dabei ums Leben.
  • Insgesamt wurden 29 Menschen verletzt, drei davon zunächst in kritischem Zustand.
  • Der Verdächtige wurde am Sonntagabend im Bezirk Spandau geortet.
  • Beim Zugriff des SEK Berlin griff er die Beamten mit einer Hiebwaffe an.
  • Er starb noch am Einsatzort.

Die Behörden gehen von einem jihadistisch motivierten Anschlag aus. Eine offizielle Bestätigung dieser Einordnung durch die Staatsanwaltschaft steht noch aus.

Was dieser Anschlag über den Schutz von Großveranstaltungen aussagt

Für mich ist das hier kein Einzelfall, der sich isoliert betrachten lässt. Fahrzeuganschläge auf Menschenmengen sind seit dem Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 ein bekanntes Muster. Damals starben zwölf Menschen. Die Sicherheitsbehörden haben seither vieles verändert, Betonpoller, verstärkte Absperrungen, erhöhte Polizeipräsenz. Dennoch bleibt die Frage : Reicht das ?

Der Berliner CSD zieht jedes Jahr mehrere Hunderttausend Menschen an. Eine vollständige Abriegelung der Strecke ist kaum realisierbar, ohne den Charakter der Veranstaltung zu zerstören. Genau das ist das Dilemma. Offene Gesellschaften sind per Definition schwerer zu schützen als geschlossene Räume.

Bundesinnenminister Dobrindt wird sich in den kommenden Tagen erklären müssen. Nicht nur zur Opferzahl, sondern auch zur Frage, ob der Verdächtige vorher im Fokus der Behörden stand. Bei jihadistisch motivierten Tätern war das in der Vergangenheit erschreckend oft der Fall. Das sollte die politische Debatte der nächsten Wochen prägen, schärfer und konkreter als nach früheren Anschlägen.

Jonas
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