Modder lässt drei GTA ineinander laufen

Drei Männer zwischen Neon-Pink und realistischer Großstadt-Szenerie

GTA San Andreas wurde 2004 veröffentlicht und sorgt bis heute für Schlagzeilen, manchmal mehr als Spiele, die erst letztes Jahr erschienen sind. Der Grund dafür heißt diesmal Dryxio, ein Modder, der gerade etwas geschafft hat, wozu Rockstar selbst nie den Mut hatte.

Drei GTA-Spiele in einem einzigen Fenster

Das Konzept klingt absurd, aber es funktioniert : Dryxio hat GTA III und Vice City vollständig in GTA San Andreas integriert. Nicht als einfache Portierung, nicht als Textur-Ersatz. Die beiden älteren Spiele laufen als eigenständige Engines innerhalb des San Andreas-Prozesses. CJ kann in seinem Haus auf der Grove Street den Fernseher einschalten oder eine Arcade-Maschine benutzen, und schon startet eine komplette Partie GTA III oder Vice City. Inklusive Story-Modus, Spielständen und individuellen Einstellungen.

Das Ergebnis ? Liberty City, Vice City und San Andreas, alle drei gleichzeitig in einem einzigen Programmfenster. Für jeden, der mit diesen Klassikern aufgewachsen ist, hat das etwas fast Unwirkliches.

Die technische Grundlage liefern re3 und reVC, zwei Community-Projekte, die die Original-Engines von GTA III und Vice City per Reverse-Engineering neu implementiert haben. Jahrelange Arbeit von Fans, ohne je den offiziellen Binärcode von Rockstar anzufassen. Wichtig zu wissen : Der Mod liefert die Spiele selbst nicht mit. Wer ihn nutzen will, braucht eigene legale Dateien von GTA III und Vice City.

Komponente Funktion Basis-Projekt
re3 GTA III Engine-Reimplementierung Community Reverse Engineering
reVC Vice City Engine-Reimplementierung Community Reverse Engineering
San Andreas Host Träger-Prozess für beide Sub-Engines Rockstar (Original)

Die Idee, mehrere GTA-Teile miteinander zu verknüpfen, ist übrigens nicht neu. Vice City wurde bereits auf die GTA IV-Engine portiert, und das schon vor Jahren. Dryxio treibt diesen Gedanken jetzt auf die Spitze.

Ein Spiel im Spiel im Spiel, die Matryoshka-Version

Als wäre das alles nicht genug, hat Dryxio noch einen draufgesetzt. Die neueste Demo zeigt Vice City, das innerhalb von GTA III läuft, welches seinerseits innerhalb von San Andreas läuft. Drei Ebenen tief. Alles gerendert auf einer einzigen In-Game-Fernsehtextur.

Ehrlich gesagt erinnert das mehr an eine Demonstration spieltechnischer Grenzenlosigkeit als an einen alltagstauglichen Mod. Aktuell handelt es sich dabei um ein virales Video-Demo, kein fertiges Release, das man heute Abend herunterladen und starten kann. Ob daraus jemals ein öffentlicher Mod wird, bleibt offen. Die Kreativität dahinter ist trotzdem beeindruckend.

Wer sich für GTA-Retrogaming interessiert, sollte die verfügbaren Demos trotzdem im Blick behalten. Das Potenzial ist real.

Take-Two, DMCA und die Ironie der Geschichte

Hier wird die Geschichte richtig interessant. 2021 schickte Take-Two Interactive einen DMCA-Takedown an GitHub und ließ das re3-Projekt entfernen. Der Verlag schoss damit gegen ein Fan-Projekt, das nie Geld verdienen wollte und keinen einzigen offiziellen Code nutzte.

Fünf Jahre später taucht genau diese Engine wieder auf, diesmal innerhalb des eigenen Rockstar-Spiels. Das hat schon etwas von einem gelungenen Konter. Für viele in der Modding-Community ist das mehr als nur technische Spielerei, es ist eine Antwort.

Dryxio ist kein Unbekannter in diesem Umfeld. Er pflegt auch einen Fork von Multi Theft Auto, einem weiteren Projekt, das Take-Two seit Jahren im Visier hat. Der Mann weiß genau, in welchem rechtlichen Spannungsfeld er sich bewegt, und macht trotzdem weiter.

Folgende Punkte zeigen, warum dieses Projekt in der Community so viel Aufmerksamkeit bekommt :

  • Re3 und reVC wurden ohne offiziellen Quellcode aufgebaut, rein durch Reverse Engineering
  • Der Mod erfordert eigene, legale Spielkopien : keine Piraterie, kein Graubereich
  • Take-Twos DMCA von 2021 hat das Projekt nicht gestoppt, sondern nur verlagert
  • Die Matryoshka-Demo zeigt, dass drei vollständige Spiele technisch verschachtelbar sind
  • Dryxio entwickelt parallel an MTA weiter, einem anderen Take-Two-Dauerthema

San Andreas mag 22 Jahre alt sein. Es bleibt eine Plattform, auf der Entwickler immer wieder zeigen, was möglich ist, wenn man sich nicht durch Publisher-Richtlinien einschränken lässt.

Was das für die Modding-Szene bedeutet

Dryxios Arbeit macht eines sehr deutlich : Die technischen Grenzen alter GTA-Teile sind längst nicht ausgereizt. Re3 und reVC haben bewiesen, dass Fan-Reimplementierungen stabiler und flexibler sein können als die Originale. Wer beide Projekte kombiniert und in eine gemeinsame Host-Umgebung einbettet, bekommt etwas, das Rockstar selbst nie angeboten hat.

Konkret bedeutet das für die Szene : Die Engine-Portierungen sind ausgereift genug, um als Module in größeren Projekten zu funktionieren. Das öffnet Türen für zukünftige Mods, die bisher technisch undenkbar wären. Stell dir vor, du könntest nahtlos zwischen Liberty City 2001 und San Andreas 2004 wechseln, ohne das Programm zu verlassen.

Kurz gesagt : Dryxio hat nicht nur einen coolen Trick vorgeführt. Er hat gezeigt, wohin die Reise gehen kann, wenn die Modding-Community freie Hand bekommt und Take-Two nicht dazwischenfunkt. Das ist der eigentliche Grund, warum dieser Mod gerade alle reden lässt.

Elena
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