Mark Walter hält 8 % der Klasse-B-Stammaktien von Carvana – eine Beteiligung, die den milliardenschweren Unternehmer zu einem der einflussreichsten Aktionäre des Online-Gebrauchtwagenriesen macht. Genau diese Verflechtung wirft ein neues Licht auf eine Partnerschaft, die den amerikanischen Automarkt grundlegend verändern könnte.
Carvana und Slate Auto : die stille Allianz hinter den Kulissen
Dokumente aus Delaware enthüllen, dass Carvana im Jahr 2025 eine Kaufoption auf Anteile von Slate Auto erhalten hat. Das EV-Startup, das von Jeff Bezos und Mark Walter unterstützt wird, befand sich zu genau diesem Zeitpunkt mitten in der Vorbereitung seiner Series-C-Finanzierungsrunde über 650 Millionen Dollar. Kein Zufall, meiner Meinung nach.
TechCrunch hat die Unterlagen eingesehen, die beim Delaware Division of Corporations eingereicht wurden. Sie belegen, dass Carvana einen sogenannten Warrant erhalten hat – also das Recht, zu einem späteren Zeitpunkt Aktien von Slate Auto zu kaufen. Ob das Unternehmen dieses Recht bereits ausgeübt hat und wie viele Aktien es erwerben darf, bleibt unklar. Carvana lehnte jeden Kommentar ab. Slate Auto antwortete schlicht nicht.
In einer Regulierungsmeldung vom März 2026 hatte Carvana bereits angedeutet, im Juni 2025 einen Warrant auf Aktien eines „privaten Konsumgüterunternehmens » erhalten zu haben. Der Gesamtwert des Warrants betrug Ende 2025 genau 1,5 Millionen Dollar. Carvana erwähnte dabei ausdrücklich, dass Walter ein „erhebliches Eigentumsinteresse am Warrant-Emittenten » habe – ohne das Unternehmen namentlich zu nennen. Nun fügen sich die Puzzleteile zusammen.
Die strukturelle Verbindung zwischen beiden Unternehmen ist dabei kaum zu übersehen :
- Mark Walter führt TWG Global, das die Series-C-Runde von Slate Auto angeführt hat
- Walter hält 8 % der Klasse-B-Aktien von Carvana sowie 1 % der gesamten Stimmrechte
- Nur CEO Ernie Garcia III und sein Vater Ernie Garcia II haben mehr Kontrolle über Carvana
- Der Warrant vestiert in Tranchen bis 2029, basierend auf gemeinsam festgelegten Leistungszielen
Frankly gesagt : Diese Partnerschaft riecht nach einer langfristigen Strategie, nicht nach einem zufälligen Nebendeal.
Expansion in den Neuwagenmarkt – Carvanas nächster großer Schritt
Bisher war Carvana vor allem als Online-Händler für Gebrauchtwagen bekannt. Doch das soll sich ändern. Laut Wall Street Journal hat das Unternehmen bereits mehrere Stellantis-Händlerbetriebe in den USA erworben. CEO Ernie Garcia III antwortete auf Analystenfragen zu Neuwagen schlicht : „Stay tuned. » Eine knappe Aussage – aber Branchenkenner lesen daraus eine klare Richtungsansage.
Genau hier kommt Slate Auto ins Spiel. Das Startup hat angekündigt, keine klassischen Dealerships zu betreiben – ähnlich wie Tesla oder Rivian. Auf seiner Website betont Slate ausdrücklich, Fahrzeuge direkt an Endkunden zu verkaufen. Wie die Logistik konkret aussehen soll, blieb bislang weitgehend offen.
| Unternehmen | Vertriebsmodell | Händlernetz |
|---|---|---|
| Tesla | Direktvertrieb | Keine traditionellen Händler |
| Rivian | Direktvertrieb | Keine traditionellen Händler |
| Slate Auto | Direktvertrieb (geplant) | Keine traditionellen Händler |
| Carvana | Online + physische Standorte | Wachsendes Netz (inkl. Stellantis) |
Physische Carvana-Standorte könnten Slate Auto genau das bieten, was dem Startup fehlt : eine greifbare Präsenz für potenzielle Käufer. Ein Netz, das Probefahrten, Fahrzeugübergaben und Kundenservice ermöglicht – ohne dass Slate selbst teure Infrastruktur aufbauen muss. Für den Online-Händler wiederum wäre Slate eine Eintrittskarte in das wachsende Segment günstiger Elektrofahrzeuge.
Slate Auto plant, sein erstes Modell ab Mitte 20.000 Dollar anzubieten – ein Preispunkt, der in den USA kaum von einem anderen Elektroauto erreicht wird. Die ersten Auslieferungen sollen noch vor Ende 2026 beginnen. Zudem steht die Bekanntgabe des endgültigen Preises sowie die Eröffnung unverbindlicher Vorbestellungen unmittelbar bevor.
Was diese Kooperation für den EV-Markt wirklich bedeutet
Slate Auto blieb seit seinem Auftauchen aus der Stealthphase bemerkenswert verschwiegen über seine Investorenstruktur. Erst im April 2026 bestätigte das Startup offiziell, dass TWG Global – Walter’s Firmengruppe – die Series-C-Runde angeführt hat. Das macht Walter zu einem der größten Einzelaktionäre von Slate. Zusammen mit seiner bedeutenden Rolle bei Carvana sitzt er damit an einem strategischen Knotenpunkt, der den Verkauf von Elektrofahrzeugen in Amerika neu definieren könnte.
Bezos wiederum hatte sich früh positioniert. Bereits kurz nachdem TechCrunch erstmals über die Beteiligung von Bezos und Walter an Slate berichtet hatte, begann das Startup seinen öffentlichen Auftritt zu schärfen. Die Unterstützung durch den Amazon-Gründer verleiht Slate eine Glaubwürdigkeit, die viele andere EV-Startups schmerzlich vermissen.
Stellen Sie sich die Frage : Was passiert, wenn ein günstiges Elektroauto plötzlich über das größte Online-Gebrauchtwagennetzwerk der USA vermarktet wird ? Die Antwort könnte den traditionellen Autohandel stärker erschüttern als jede Preissenkung von Tesla. Denn Carvana bringt nicht nur Reichweite, sondern auch ein erprobtes digitales Kauferlebnis mit – genau das, worauf Slate für seinen Direktvertrieb angewiesen ist.
Für Investoren und Marktbeobachter lohnt sich ein genauer Blick auf die Vesting-Struktur des Warrants. Die Tranchen, die bis 2029 auf Basis gemeinsamer Leistungsziele freigegeben werden, deuten auf eine langfristige, operativ verknüpfte Zusammenarbeit hin – kein kurzfristiges Finanzmanöver. Wenn Carvana tatsächlich in Neuwagen einsteigt und dabei Slate Auto als Einstiegs-EV im Portfolio führt, könnte das Duo den Markt für Erstkäufer elektrischer Fahrzeuge unter 25.000 Dollar dominieren – ein Segment, das bislang kaum besetzt ist.
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