Mehr als 50 Millionen Dollar. Das ist der Betrag, den Versicherungsunternehmen in New York nach eigenen Angaben jährlich durch sogenannten Garagenbetrug verlieren – also durch Fahrer, die ihren Wagen an einer falschen Adresse registrieren, um günstigere Prämien zu erschleichen. Diese Zahl ist seit dem Amtsantritt von Gouverneurin Kathy Hochul im Jahr 2021 um satte 20 Prozent gestiegen. Ehrliche Autobesitzer zahlen drauf. Das ist kein Kavaliersdelikt.
Falsches Kennzeichen, echte Kosten – wie der Adressbetrug funktioniert
Die Logik dahinter ist simpel : Versicherungskosten schwanken erheblich je nach Postleitzahl. Wer sein Auto offiziell in einer ländlichen Gegend oder einem anderen Bundesstaat anmeldet, zahlt deutlich weniger – auch wenn er täglich durch Brooklyn oder Harlem fährt. Sam Schwartz, ehemaliger Verkehrsbeauftragter von New York City und bekannt als „Gridlock Sam », bringt es auf den Punkt : „Ich staune, wie viele Menschen, die angeblich in Texas wohnen, ich auf der Upper West Side sehe. » Das ist kein Witz – das ist Alltag.
Das New Yorker Gesetz schreibt vor, dass Zuzügler ihr Fahrzeug innerhalb von 30 Tagen im Bundesstaat anmelden müssen. Das Department of Financial Services (DFS) erfasst jährlich, wie viele Versicherungsnehmer bei der Hauptadresse ihres Fahrzeugs lügen. Doch Fachleute sind sich einig : Die offiziellen Zahlen unterschätzen das Ausmaß erheblich.
Von den 50,2 Millionen Dollar Schaden entfielen 43,7 Millionen auf innerstaatliche Adressmanipulation – Fahrer also, die innerhalb New Yorks die falsche Adresse angaben. Deutlich dynamischer wuchs jedoch der bundesstaatenübergreifende Betrug : Verluste durch Kennzeichen aus anderen Bundesstaaten haben sich von 2,6 Millionen Dollar (2021) auf 6,5 Millionen Dollar im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. In absoluten Spitzenwerten erreichte dieser Typ von Betrug 2024 sogar 8,2 Millionen Dollar. Florida, Pennsylvania und New Jersey liefern die häufigsten falschen Adressen.
Zum Vergleich – was der Wechsel der Postleitzahl konkret bringen kann :
| Postleitzahl | Ort | Prämienniveau |
|---|---|---|
| 11201 | Downtown Brooklyn, NYC | Sehr hoch |
| 11937 | East Hampton, Long Island | Deutlich niedriger |
Dieser Unterschied kann tausende Dollar pro Jahr ausmachen. Kein Wunder, dass die Versuchung groß ist. Manche Versicherungsmakler machen sogar mit : Sie tragen die Adresse ihrer eigenen Agentur als Standort des Fahrzeugs ein – um den Kunden zu halten und die eigene Provision zu sichern. Frankly : Das ist Beihilfe zum Betrug.
Warum das offizielle Ausmaß weit größer ist, als die Behörden zugeben
Die Analyse des Versicherungsanalyseunternehmens Verisk kommt zu einem vernichtenden Befund : In mehr als 10 Prozent aller Versicherungspolicen gibt es überprüfbare Unstimmigkeiten bei der angegebenen Fahrzeugadresse. Bei 11,3 Millionen in New York registrierten Fahrzeugen entspricht das über einer Million potenziell falscher Adressen – fast 70-mal mehr als die staatlich erfasste Zahl. Manche Versicherungsnehmer gaben gar Scheckeinlösungsbüros oder Gefängnisse als Standort ihres Fahrzeugs an.
Hinzu kommt : Fast 21.000 Fahrzeuge mit Kennzeichen aus anderen Bundesstaaten erhielten allein in New York City Strafzettel – weit mehr als die landesweiten DFS-Zahlen erfassen. Die Behörde lehnte es ab, ihre Berechnungsmethoden offenzulegen. Auch die Betrugspräventiospläne der Versicherer bleiben geheim – gesetzlich geschützt als „vertraulich ».
Fahrer mit falsch registrierten Kennzeichen verhalten sich im Straßenverkehr auffällig schlechter. Eine Untersuchung des New Yorker Stadtrats ergab, dass sie deutlich häufiger zu schnell fahren und Halteverbote ignorieren. Das betrifft nicht nur Versicherungskosten – das ist eine Frage der Verkehrssicherheit.
Die wichtigsten Merkmale des Garagenbetrugs im Überblick :
- Anmeldung des Fahrzeugs in einem anderen Bundesstaat oder einer günstigeren Postleitzahl
- Nutzung der Adresse des Versicherungsmaklers als vorgetäuschter Fahrzeugstandort
- Angabe von Scheinwohnsitzen, die keiner realen Nutzung entsprechen
- Mitbeteiligung einzelner Vermittler, die von niedrigen Prämien ihrer Kunden profitieren
Hochuls Kurs : Viel Lärm, wenig Konsequenz beim Prämienbetrug
Gouverneurin Hochul setzt ihren politischen Fokus beim Thema Versicherungskosten auf etwas anderes : Sie will die Regulierung lockern – mit Rückendeckung von Uber – und behauptet, inszenierte Unfälle seien der Haupttreiber steigender Prämien. Recherchen zeigen jedoch, dass solche Fälle verschwindend selten sind. Den Adressbetrug hingegen erwähnt sie kaum.
In ihrem State-of-the-State-Plan kündigte sie immerhin an, gegen Fahrer vorzugehen, die ihre Fahrzeuge illegal in anderen Bundesstaaten anmelden. Details ? Fehlanzeige. Sean Butler, ein Sprecher der Gouverneurin, ließ verlauten : „Garagenbetrug ist kein opferloses Vergehen – er erhöht die Prämien für jeden Einwohner New Yorks, der die Regeln befolgt. Wir werden mehr zu dieser Arbeitsgruppe mitteilen. Fahrer, die glauben, durch diesen Betrug ein gutes Geschäft zu machen : Wir kommen auf euch zu. » Klingt entschlossen. Bleibt abzuwarten, ob Taten folgen.
Sam Schwartz sieht das nüchtern : Der Betrug kostet nicht nur Versicherungsunternehmen Geld – dem Staat entgehen auch Einnahmen aus lokalen Zulassungsgebühren. „Es ist eine Chance für den Staat, mehr Geld einzunehmen und gleichzeitig die Versicherungskosten zu senken », sagt er. „Die Politik muss das im Keim ersticken. » Der Anstieg der Adressmanipulation korreliert übrigens mit einer Verdoppelung der Mautrückstände bei der Metropolitan Transportation Authority seit 2022 – und mit dem Boom gefälschter temporärer Kennzeichen während der Pandemiejahre. Schwartz fasst es treffend zusammen : „Viele Menschen, die früher Regeln befolgten, haben das einfach aufgegeben und sich dem Chor der Betrüger angeschlossen. »
Wer jetzt denkt, das alles betrifft nur Versicherungskonzerne – irrt. Jeder ehrliche Autobesitzer in New York zahlt höhere Prämien, weil andere betrügen. Das ist die bittere Realität dieses Systems.



