US-Autoverkäufe verlieren an Schwung nach zollinduzierten Kaufrausch

US-Autoverkäufe verlieren an Schwung nach zollinduzierten Kaufrausch

Der US-Automobilmarkt zeigt deutliche Anzeichen einer Abkühlung nach einem ungewöhnlich starken Frühjahrsgeschäft. Nachdem Präsident Donald Trumps Autozölle angekündigt wurden, erlebten die Händler einen regelrechten Ansturm von Käufern, die noch vor den drohenden Preiserhöhungen zuschlagen wollten. Diese Dynamik hat nun merklich nachgelassen, wie aktuelle Verkaufszahlen führender Automobilhersteller belegen.

Marktabschwung nach zollinduzierten Kaufwelle

Die Verkaufszahlen im zweiten Quartal 2025 weisen auf eine deutliche Veränderung des Kaufverhaltens hin. General Motors verzeichnete einen Anstieg von 7,3 Prozent, während Ford mit seinem « Mitarbeiterpreise für alle »-Programm sogar um 14 Prozent zulegen konnte. Toyota erreichte ein Plus von 7,2 Prozent. Doch hinter diesen scheinbar positiven Zahlen verbirgt sich ein beunruhigender Trend: Im Juni verlangsamte sich das Wachstum erheblich.

David Christ, Leiter des Toyota-Markenvertriebs in den USA, bestätigte diesen Trend: « Wir hatten von Ende März bis Anfang Mai viele vorgezogene Käufe, ich denke, die gesamte Branche hatte das. » Seitdem sei « das Verkaufstempo zu dem zurückgekehrt, was ich als normal bezeichne. »

Noch deutlicher wird die Entwicklung bei anderen Herstellern. Subarus Juni-Auslieferungen brachen um 16 Prozent ein. Kia verzeichnete einen Rückgang von 3,2 Prozent, was den Gesamtzuwachs im zweiten Quartal auf 5 Prozent begrenzte. Nissan musste sogar einen Rückgang von 6,5 Prozent hinnehmen, während Honda mit einem mageren Plus von 1,5 Prozent im Juni abschloss.

Laut J.D. Power ist die jährliche Automobilverkaufsrate im Juni auf 15 Millionen gesunken – das langsamste Tempo der letzten 12 Monate – nachdem sie im April noch bei 17,6 Millionen lag. Diese Entwicklung spiegelt die zunehmende Zurückhaltung der Verbraucher bei größeren Anschaffungen wider, verstärkt durch wirtschaftliche Unsicherheiten und die Erwartung weiterer Preissteigerungen.

Faktoren hinter dem Abschwung des Automarktes

Jonathan Smoke, Chefökonom des Marktforschungsunternehmens Cox Automotive Inc., bringt es auf den Punkt: « Die Party ist vorbei. » Er prognostiziert, dass die annualisierte monatliche Rate der US-Autoverkäufe in der zweiten Jahreshälfte bei etwa 15 Millionen verharren wird, verglichen mit 16,3 Millionen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025. Zum Vergleich: 2024 wurden in Amerika rund 16 Millionen Autos und leichte Nutzfahrzeuge verkauft.

Die wichtigsten Faktoren, die den Abschwung antreiben, sind:

  • Wirtschaftliche Unsicherheit bei Verbrauchern
  • Weiterhin hohe Fahrzeugpreise
  • Erwartete Preiserhöhungen durch Zölle
  • Ausgelaufener Vorzieheffekt nach dem Frühjahrsansturm
  • Steigende monatliche Finanzierungsraten

Peter Petito, Manager eines Honda-Autohauses in Queens, New York, vergleicht den früheren Ansturm mit « einem Supermarktbesuch vor einem Schneesturm, wenn es keine Milch, keinen Saft oder Brot mehr gibt ». Dieses Phänomen ist nun vorbei, und die Verkäufe haben sich deutlich verlangsamt.

Autohändler berichten Cox Automotive zufolge, dass wirtschaftliche Ängste zum wichtigsten kaufhemmenden Faktor geworden sind – noch vor den hohen Zinssätzen, die in früheren Umfragen als Haupthindernis genannt wurden. Beau Boeckmann, Präsident von Galpin Motors, einem bedeutenden Ford-Händler in Südkalifornien, bestätigt: « Die Menschen sind sehr verunsichert. Und in Zeiten der Unsicherheit schieben die Menschen größere Anschaffungen auf. »

Preise und Finanzierung als zentrale Herausforderungen

Die Autopreise steigen wieder, nachdem sie im vergangenen Jahr größtenteils gesunken waren. Der durchschnittliche Neuwagenpreis erreichte im Juni 48.799 US-Dollar – ein Anstieg von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sogar 28 Prozent mehr als 2019, wie Daten von Cox belegen. Diese hohen Kosten zwingen Käufer zu immer längeren Finanzierungslaufzeiten.

Kennzahl Wert Veränderung zum Vorjahr
Durchschnittliche monatliche Rate 747 USD +22 USD
Anteil 84-Monats-Kredite 12% +3 Prozentpunkte
Erwartete Preissteigerung durch Zölle ~2.000 USD

Fast jeder fünfte Käufer – ein historischer Höchststand – nahm im zweiten Quartal Kredite mit monatlichen Raten von 1.000 US-Dollar oder mehr auf, wie der Automobilmarktforscher Edmunds.com berichtet. Die durchschnittlichen monatlichen Autokreditraten erreichten im Juni mit 747 US-Dollar einen Rekordwert, 22 US-Dollar mehr als im Vorjahr.

Immer mehr Menschen entscheiden sich für Kreditlaufzeiten von 84 Monaten – also sieben Jahren – die im letzten Monat 12 Prozent aller Autofinanzierungen ausmachten, ein Anstieg um 3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung verdeutlicht die finanziellen Herausforderungen für potenzielle Käufer.

Ausblick für den US-Automobilmarkt

Branchenexperten wie Mark Wakefield, Global Auto Market Lead beim Beratungsunternehmen AlixPartners, beschreiben die Verlangsamung im Juni als « Kater nach vorgezogenen Verkäufen ». Seine Firma prognostiziert, dass Autohersteller 80 Prozent der Kosten von Trumps Zöllen an die Verbraucher weitergeben werden, was die Preise um fast 2.000 US-Dollar pro Fahrzeug in die Höhe treiben dürfte. « Wir gehen davon aus, dass die vollständige Weitergabe erst zum Jahresende erfolgt », erklärt er.

Randy Parker, CEO von Hyundai Motor North America, setzt auf neue Produkteinführungen in der zweiten Jahreshälfte, um trotz der allgemeinen Verlangsamung weiterhin Wachstum zu erzielen. Der südkoreanische Automobilhersteller verzeichnete im zweiten Quartal einen Anstieg der US-Verkäufe um 10 Prozent, wobei sich das Wachstum im letzten Monat auf 3 Prozent verlangsamte. « Ohne Zweifel wird die zweite Jahreshälfte eine Herausforderung », sagte Parker. « Flexibilität und Erschwinglichkeit werden der Schlüssel zur Bewältigung der Situation in der zweiten Jahreshälfte sein. »

Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Autoindustrie Wege findet, den Abschwung abzufedern, oder ob der Markt weiter an Dynamik verliert. Feststeht: Der durch Zollankündigungen ausgelöste Kaufrausch ist definitiv vorbei.

hanna
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