Die US-Automobilindustrie hat ernsthafte Bedenken gegenüber dem kürzlich abgeschlossenen Handelsabkommen zwischen Donald Trump und Großbritannien geäußert. Der Präsident hat offenbar dem Vereinigten Königreich Priorität vor den nordamerikanischen Handelspartnern Kanada und Mexiko eingeräumt, was bei den Detroiter Autoherstellern für Unruhe sorgt.
Trumps UK-Handelsabkommen sorgt für Unmut bei US-Autoherstellern
Am 8. Mai 2025 verkündete die Trump-Administration ein neues Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich, das britischen Fahrzeugimporteuren günstigere Zollbedingungen einräumt als den nordamerikanischen Nachbarn. Diese Entscheidung hat den American Automotive Policy Council (AAPC), der die Interessen von General Motors, Ford und Stellantis vertritt, zu einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme veranlasst.
Matt Blunt, Präsident des AAPC, erklärte: « Wir sind enttäuscht, dass die Regierung Großbritannien vor unseren nordamerikanischen Partnern priorisiert hat. Mit diesem Abkommen wird es nun günstiger, ein britisches Fahrzeug mit sehr geringem US-Anteil zu importieren als ein USMCA-konformes Fahrzeug aus Mexiko oder Kanada, das zur Hälfte aus amerikanischen Teilen besteht. »
Das neue Abkommen sieht vor, dass die ersten 100.000 aus Großbritannien importierten Fahrzeuge nur mit einem Zoll von 10% belastet werden, während für weitere Importe der volle Zollsatz von 25% gilt. Im Vergleich dazu unterliegen Fahrzeuge aus Kanada und Mexiko derzeit den vollen Zöllen von 25%, die Trump im April 2025 eingeführt hatte.
| Herkunftsland | Zollsatz | Bedingungen |
|---|---|---|
| Großbritannien | 10% | Für die ersten 100.000 Fahrzeuge |
| Großbritannien | 25% | Nach Überschreitung der 100.000-Fahrzeuge-Grenze |
| Kanada/Mexiko | 25% | Für alle Fahrzeuge |
Die Automobilexperten weisen darauf hin, dass dieses Abkommen zwar nur einen kleinen Teil des US-Marktes betrifft – im vergangenen Jahr wurden lediglich etwa 103.250 britische Fahrzeuge in die USA importiert – aber ein gefährliches Präzedenz schaffen könnte für künftige Verhandlungen mit asiatischen und europäischen Wettbewerbern.
Befürchtungen einer bevorzugten Behandlung von Wettbewerbern
Die größte Sorge der US-Autoindustrie besteht darin, dass nach Großbritannien weitere Länder vorteilhafte Handelsabkommen mit den USA abschließen könnten, bevor das USMCA-Abkommen (United States-Mexico-Canada Agreement) neu verhandelt wird. Besonders alarmiert zeigen sich die Detroiter Hersteller über mögliche Vereinbarungen mit asiatischen Ländern wie Südkorea oder Japan.
Sam Fiorani, Vizepräsident für globale Fahrzeugprognosen bei AutoForecast Solutions, warnt: « Wenn Südkorea als nächstes an die Reihe kommt, bricht die Hölle los. Wenn Südkorea einen Zollsatz von 10% erhält, wäre das der größere Deal. » Dies würde besonders Ford treffen, dessen CEO Jim Farley bereits betont hat, dass niedrigere Zölle für asiatische und europäische Marken bei gleichzeitiger Beibehaltung der hohen Zölle für Mexiko und Kanada « ein Loch in die US-Autoindustrie reißen » würden.
Die Auswirkungen solcher Präferenzabkommen könnten weitreichend sein. Jährlich werden etwa 1,5 bis 2 Millionen Fahrzeuge aus asiatischen und europäischen Ländern in die USA importiert. Eine Bevorzugung dieser Importe gegenüber der nordamerikanisch integrierten Produktion würde laut Experten eine der « größten Gewinne » für ausländische Hersteller bedeuten und die US-Autoindustrie nachhaltig schwächen.
Die möglichen Gewinner und Verlierer unterschiedlicher Zollpräferenzen sind:
- Verlierer: Ford und Stellantis mit starker Produktion in Mexiko und Kanada
- Teilweise Gewinner: General Motors (importierte 2024 etwa 414.000 in Südkorea gebaute Fahrzeuge)
- Hauptgewinner: Europäische und asiatische Importeure ohne nordamerikanische Produktion
- Größte Verlierer: US-amerikanische Zulieferer und Arbeitnehmer in der integrierten nordamerikanischen Lieferkette
Die nordamerikanische Integration und der Ruf nach Priorität
Die tiefe Integration der nordamerikanischen Automobilindustrie steht im Zentrum der Diskussion. Lana Payne, Präsidentin der kanadischen Gewerkschaft Unifor, bezeichnet Trumps Entscheidung, Handelsverhandlungen mit Großbritannien zu priorisieren, als « rückwärtsgewandten Schritt ». Sie betont, dass es kein rein amerikanisches oder rein kanadisches Fahrzeug gibt, da die Lieferketten eng verflochten sind.
Im vergangenen Jahr wurden in Nordamerika 5 Millionen Fahrzeuge verkauft, die nicht in Nordamerika gebaut wurden – ein Volumen, das laut Payne etwa 20 Montagewerken entspricht. Die Priorisierung von Handelsabkommen mit Ländern außerhalb Nordamerikas könnte diese Situation verschärfen und tausende Arbeitsplätze auf beiden Seiten der Grenze gefährden.
Experten wie Erik Gordon von der University of Michigan sehen die Position des AAPC jedoch kritischer und bezeichnen sie als « eigennützig ». Er argumentiert, dass die sehr geringe Anzahl britischer Importfahrzeuge kaum spürbare Auswirkungen auf die nordamerikanische Automobilindustrie haben wird. Joe McCabe, CEO von AutoForecast Solutions, interpretiert das Abkommen mit Großbritannien als strategischen Schritt, um die Bereitschaft der USA zu demonstrieren, mit Verbündeten zusammenzuarbeiten und andere Länder zu Verhandlungen zu bewegen.
Die Neuverhandlung des USMCA-Abkommens, das während Trumps erster Amtszeit ausgehandelt wurde, bleibt ein zentrales Anliegen der US-Autoindustrie. Die Sorge, dass dieses in der Prioritätenliste nach unten rutschen könnte, während Wettbewerber Vorteile erhalten, ist greifbar. Wie ein Branchenbeobachter es ausdrückte: « Einer erledigt. Der Rest der Welt kommt noch. »
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