Niemand hilft Trump in der Straße von Hormus : Großbritannien, Deutschland und Japan bleiben fern

Marineschiff navigiert durch raue See zwischen Bergklippen

Donald Trump hat einen Krieg gegen Iran begonnen, ohne seine Verbündeten zu konsultieren. Jetzt fordert er deren Hilfe zur Sicherung der Straße von Hormus. Die Antwort fällt eisig aus.

Trumps Hilferuf in der Meerenge von Hormus trifft auf taube Ohren

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Täglich passieren Millionen Barrel Öl diese enge Wasserstraße zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Seit Beginn des Krieges im Nahen Osten hat der Handelsverkehr dort dramatisch abgenommen. Trump will die Route wieder öffnen – und braucht dafür offenbar Unterstützung.

Am Montag wandte sich der amerikanische Präsident öffentlich an seine Verbündeten. „Wir ermutigen andere Länder nachdrücklich, sich zu beteiligen – schnell und mit großem Enthusiasmus », erklärte er. Der Grad des Engagements sei für ihn persönlich von Bedeutung, betonte Trump. Er präsentierte die Anfrage als eine Art Loyalitätstest gegenüber Washington.

Doch die erhoffte Begeisterung blieb aus. Großbritannien und Deutschland schlossen eine NATO-Mission zur Wiederherstellung des Seeverkehrs kategorisch aus. Japan und Australien, traditionelle Verbündete der USA im asiatisch-pazifischen Raum, lehnten ebenfalls jede Entsendung von Streitkräften in die Meerenge ab. Trump nannte zwar einige anonyme Länder, die angeblich helfen wollen – Namen nannte er jedoch nicht.

Bemerkenswert ist auch Trumps Aussage über China. Die größte geopolitische Rivalin der USA „sollte ihm danken », dass er diesen Konflikt überhaupt eingeleitet habe, meinte er. Auf Frankreich angesprochen und einen Anruf mit Präsident Emmanuel Macron kommentierte Trump dessen Haltung mit einer Wertung von acht auf einer Skala von null bis zehn – „nicht perfekt, aber das ist Frankreich ».

Die Reaktionen der Verbündeten : von Schweigen bis Empörung

Philip Gordon, ehemaliger Sicherheitsberater von Vizepräsidentin Kamala Harris und heute Experte bei der Brookings Institution, bezeichnet Trumps Anfrage als „wirklich unglaublich ». Für ihn erntet Trump schlicht das, was er gesät hat.

Seit mehr als einem Jahr hat Washington seine Verbündeten mit Strafzöllen belegt, die NATO kritisiert, Grönland beansprucht und die Verluste der Alliierten in Afghanistan heruntergespielt oder geleugnet. Gordon stellt die entscheidende Frage : Wie soll ein europäischer Regierungschef seinem Volk erklären, dass er Menschenleben für eine Operation riskiert – und das für einen Präsidenten, der ihn seit 15 Monaten öffentlich beleidigt und erniedrigt hat ? „Das geht zu weit », urteilt er.

Erwan Lagadec, Professor an der George Washington University, teilt diese Einschätzung. „Die USA starten einen Krieg ohne Rücksprache mit ihren Verbündeten und erwarten nun, dass diese die Scherben aufkehren. Das wird nicht gut ankommen », so Lagadec.

Die schärfste Reaktion kam vom ehemaligen französischen Botschafter in Washington, Gérard Araud. Auf dem Netzwerk X schrieb er : „Auf diesem Niveau ist das Wort ‘Dreistigkeit’ viel zu schwach … Unverfrorenheit, Frechheit, Anmaßung. » Er zitierte dabei sinngemäß die legendäre Filmreplique aus dem französischen Gangsterfilm, die Michel Audiard für Georges Lautners Werk erfunden hatte.

Praktische Grenzen und politische Erschöpfung der NATO-Partner

Jenseits aller diplomatischen Verärgerung gibt es handfeste militärische Gründe für die Zurückhaltung der Verbündeten. Die NATO verfügt schlicht nicht über unbegrenzte Marinekapazitäten. Lagadec weist auf eine besondere Ironie hin : Die vorhandenen Kapazitäten waren eigentlich für Operationen rund um Grönland vorgesehen – als Entgegenkommen gegenüber Trumps Ambitionen dort.

Liana Fix, Forscherin beim Council on Foreign Relations, erklärt einen weiteren praktischen Engpass. Viele Waffensysteme und Raketen, die europäische Länder in den USA bestellt hatten, werden nun im Iran eingesetzt – und stehen damit nicht mehr für andere Aufgaben zur Verfügung.

Land Haltung zur Hormus-Mission
Großbritannien Lehnt NATO-Einsatz ab
Deutschland Schließt Marinemission aus
Japan Verweigert Truppensendung
Australien Keine Beteiligung geplant
Frankreich Zurückhaltend, Macron bewertet mit 8/10 von Trump

Fix betont außerdem, dass die europäische Zurückhaltung gegenüber Trumps Anfrage kein reines Vergeltungsmanöver darstellt. Es handele sich vielmehr um sehr konkrete militärische Abwägungen und Zwänge. Dennoch räumt sie ein, dass einige Verbündete ihre Haltung möglicherweise noch leicht anpassen könnten – etwa durch zusätzliche logistische Unterstützung.

Die zentralen Gründe für die Ablehnung der Verbündeten lassen sich wie folgt zusammenfassen :

  • Fehlende Konsultation vor Kriegsbeginn gegen Iran
  • Anhaltende Handelskonflikte durch US-Strafzölle
  • Diplomatische Demütigungen der letzten 15 Monate
  • Begrenzte verfügbare Marinekapazitäten der NATO
  • Militärmaterial bereits im Iran-Konflikt eingesetzt

Warum Trumps Forderung an der Straße von Hormus scheitert

Trump beharrt darauf, die USA bräuchten niemanden. Gleichzeitig fordert er, dass die NATO-Staaten „aufspringen » sollten, um Washington zu helfen – weil Amerika sie seit Jahren unterstützt habe. Dieser Widerspruch ist den Beobachtern nicht entgangen. Man kann nicht gleichzeitig Autonomie und Gefolgschaft beanspruchen.

Was in der Meerenge von Hormus auf dem Spiel steht, ist geopolitisch enorm. Die Kontrolle dieser Wasserstraße entscheidet über den globalen Ölfluss und damit über die Weltwirtschaft. Doch Trumps Glaubwürdigkeit als Anführer einer westlichen Allianz ist nach Monaten des Bruchs mit den Partnern erheblich geschwächt.

Die Botschaft der Verbündeten ist klar, auch wenn sie unausgesprochen bleibt : Wer eine Koalition aufbaut, muss sie auch pflegen. Allianzen leben von Vertrauen, Konsultation und gegenseitigem Respekt – nicht von einseitigen Entscheidungen und nachträglichen Hilfeersuchen. Trump steht in der Straße von Hormus allein – und das ist kein Zufall.

Jonas
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