Am Samstag, dem 29. November, versammeln sich Tausende Aktivisten in der hessischen Stadt Gießen, um gegen einen Kongress der rechtsnationalen Partei Alternative für Deutschland zu protestieren. Die Demonstration markiert einen historischen Moment im Kampf gegen Rechtsradikalismus in der Bundesrepublik. Über 200 Busse aus 70 deutschen Städten sowie reservierte Sonderzüge bringen Teilnehmer in die 90.000-Einwohner-Stadt nördlich von Frankfurt. Das Bündnis widersetzen koordiniert friedliche Protestaktionen, die sich gegen die Neugründung der Jugendorganisation des Rechtsaußen-Parteien richten.
Historischer Widerstand gegen die Neugründung einer extremistischen Jugendorganisation
Die Junge Alternative hatte sich im März selbst aufgelöst, nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz die Gruppierung als gesichert rechtsextrem eingestuft hatte. Verbindungen zu identitären Bewegungen, paramilitärische Trainings und rassistische Äußerungen führten zu dieser Entscheidung. Die Selbstauflösung sollte rechtliche Konsequenzen vermeiden. Doch an diesem Wochenende erfolgt die Wiedergründung unter dem Namen Generation Deutschland.
Das antifaschistische Netzwerk widersetzen mobilisiert seit 2024 mehr als 80 lokale Gruppen, Gewerkschaften und antirassistische Initiativen. Klimaschützer und Menschenrechtsaktivisten schließen sich der Bewegung an. Die Allianz organisiert zivile Ungehorsamsaktionen, um die Durchführung des Kongresses zu verhindern. Nach Angaben der Behörden beteiligen sich 15.000 Menschen an Straßenblockaden rund um die Messestadt.
Julia, eine Teilnehmerin aus Würzburg in Bayern, erklärt ihre Motivation : Sie arbeitet mit Kindern und fürchtet die Folgen wachsender rechtskonservativer Macht. Besonders Menschen mit Migrationshintergrund und queere Personen würden unter einer Erstarkung der extremen Rechten leiden. Ihre Sorge teilen zahlreiche Demonstranten, die bereits um sechs Uhr morgens am Bahnhof Gießen eintreffen.
Strategische Blockaden verzögern den Parteitag erheblich
In den frühen Morgenstunden des 29. November verlassen 450 junge Antifaschisten aus Dresden ihre neun Busse. Nach sechsstündiger Fahrt durch die kalte Nacht erreichen sie ihr Ziel. Mit Stirnlampen und Warnwesten ausgestattet, durchqueren sie Wohnsiedlungen und Felder. Antifaschistische Gesänge begleiten ihren Marsch zur Autobahn, wo sie einen Blockadepunkt errichten.
Anton Festag, ein 16-jähriger Sprecher des Dresdner Bündnisses, äußert gemischte Gefühle. Er begrüßt die breite Mobilisierung für die Demokratie, bedauert jedoch die Notwendigkeit solcher Maßnahmen. Seine Kritik richtet sich gegen das Versäumnis staatlicher Stellen, die Organisation rechtzeitig zu verbieten.
Die koordinierten Aktionen zeigen Wirkung :
- 20 Blockaden auf Autobahnen und Bundes- sowie Landstraßen erschweren die Anreise
- Weniger als 50 AfD-Anhänger erreichen die Messehalle rechtzeitig
- Fanfaren und Demonstranten belagern die Zugänge zum Kongresszentrum
- Die Initiative Omas gegen Rechts verstärkt die Protestbewegung
- Studierende und Gewerkschaftsmitglieder bilden Menschenketten
Parallel dazu formieren sich vor der Kongresshalle dichte Reihen von Aktivisten. Polizeifahrzeuge mit Wasserwerfern positionieren sich als Drohkulisse. Hinter den Einsatzkräften warten Funktionäre der rechten Partei auf Einlass. Die Protestierenden halten ihre Positionen bis zum frühen Abend.
Polizeigewalt überschattet friedliche Protestaktionen
Trotz des im Aktionskonsens festgehaltenen Verzichts auf Eskalation kommt es zu Konfrontationen. Der Staat mobilisiert 6.000 Polizisten aus verschiedenen Bundesländern. Das massive Aufgebot führt zu mehreren gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Demonstranten.
| Einsatzmittel | Betroffene Personen | Dokumentierte Vorfälle |
|---|---|---|
| Wasserwerfer bei Minusgraden | Mehrere Dutzend | Südliche Stadtblockade |
| Pfefferspray aus kurzer Distanz | 30 medizinisch versorgt | Verschiedene Standorte |
| Schlagstockeinsätze | Unbekannte Anzahl | Mehrere Blockadepunkte |
Jule, eine Aktivistin des Bündnisses widersetzen, berichtet von einem südlichen Blockadepunkt. Dort setzte die Polizei trotz eisiger Temperaturen Wasserwerfer gegen friedliche Demonstranten ein. Pfefferspray wurde direkt in Gesichter gesprüht. Schlagstöcke trafen zahlreiche Teilnehmer. Rettungskräfte versorgten etwa 30 verletzte Aktivisten vor Ort.
Zusätzlich zur staatlichen Repression drangen AfD-Sympathisanten in Demonstrantengruppen ein. Diese Provokationen verschärften die angespannte Situation zusätzlich. Dennoch bewerten die Organisatoren den Tag als großen Erfolg. Nach Angaben von widersetzen nahmen insgesamt 50.000 Menschen an den verschiedenen Aktionen teil.
Radikalisierung durch neue Führungspersonen besorgt Beobachter
Gegen Mittag erreichen schließlich 500 Parteimitglieder unter Polizeischutz das Messezentrum. Alice Weidel, Björn Höcke und Tino Chrupalla treffen verspätet ein. Insgesamt versammeln sich etwa 800 Personen zur Neugründung der Generation Deutschland. Weidel strebt eine stärkere Kontrolle über den Jugendflügel an, ohne dessen radikale Ausrichtung zu ändern.
Jean-Pascal Hohm, ein Brandenburger Abgeordneter, wird zum neuen Vorsitzenden gewählt. Seine engen Verbindungen zur Identitären Bewegung wecken Bedenken. Diese Organisation gilt laut Verfassungsschutz als potenzielle Gefahr für die Demokratie. Trotz offiziellen Verbots pflegt Hohm den Kontakt zu diesen Kreisen.
Besonders alarmierend ist seine Befürwortung ethnischer Remigration. Dieses völkisch-nationalistische Konzept könnte die Mitglieder der Generation Deutschland weiter radikalisieren. Der neu gewählte Vertreter propagiert rassistische Ideologien innerhalb der Parteistruktur. Seine Wahl signalisiert keine Mäßigung, sondern eine Verschärfung des extremistischen Kurses.
Das antifaschistische Bündnis kündigte bereits weitere Aktionen an. Am 4. Juli plant widersetzen großangelegte Proteste in Erfurt, Thüringen. Dort findet der Bundesparteitag der AfD statt. Die Aktivisten wollen deutlich machen, dass Generation Deutschland nicht für die deutsche Jugend spricht. Der Widerstand gegen rechtsradikale Tendenzen bleibt wachsam und entschlossen.
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