In Newark steht ein historisches Stück amerikanischer Automobilgeschichte vor dem Aus. Die Smitty’s Service Center, eine der ersten von Afroamerikanern betriebenen Autowerkstätten des Landes, kämpft nach 93 Jahren gegen die Zwangsräumung. Anthony Smith, Enkel des Gründers, muss die traditionsreiche Werkstatt bis Ende August verlassen.
Die Pioniergeschichte einer afroamerikanischen Autowerkstatt
Die Geschichte von Smitty’s beginnt im Jahr 1929 mit einer schicksalhaften Begegnung. Arthur Smith Sr., ein 20-jähriger Hutmacher aus Union Township, hielt an einer Esso-Tankstelle, um seine Reifen aufzupumpen. Standard Oil-Vertreter kritisierten gerade die damaligen weißen Betreiber der Station heftig wegen schlechter Führung und Diebstahl.
Als einer der Vertreter äußerte, er würde lieber einem « farbigen Mann » die Station überlassen als den aktuellen Betreibern, mischte sich Smith in das Gespräch ein. Diese mutige Reaktion beeindruckte die Konzernvertreter. Standard Oil suchte damals nach Möglichkeiten, sein Image als rücksichtsloser Monopolist abzuschütteln, das seit der Aufspaltung 1911 anhaftete.
Die Einstellung eines beeindruckenden jungen Afroamerikaners sollte dem Unternehmen zu einem modernen, fortschrittlichen Image verhelfen. Smith erhielt das Angebot unter einer Bedingung: Er wollte seine eigene Crew mitbringen – eine Mannschaft, der er vertrauen und mit der er sich wohlfühlen konnte. Nach drei erfolgreichen Jahren als Angestellter konnte er 1932 die Station pachten und kaufte sie schließlich 1947.
Bedeutung als sicherer Hafen für schwarze Reisende
Smitty’s Service Center wurde 1936 in das legendäre « Green Book » aufgenommen, den essentiellen Reiseführer für schwarze Autofahrer im segregierten Amerika. Dieser von Victor Hugo Green aus Hackensack verfasste Leitfaden listete sichere Orte für afroamerikanische Reisende auf und wurde bis 1966 aktualisiert.
Die Tankstelle an der Ecke 13th Avenue und Wickliffe Street entwickelte sich zu einem wichtigen Anlaufpunkt für die schwarze Gemeinde Newarks. Das markante Art-Deco-Gebäude mit seiner dreistöckigen Garage aus dem Jahr 1947 wurde sogar von der Smithsonian Institution als historisch bedeutsam anerkannt.
Wie ein Friseursalon mit Scheibenwischern und Fettpresse wurde die Werkstatt zum gesellschaftlichen Treffpunkt im University Heights-Viertel. Samuel Arnold vom Perry’s Funeral Home lässt dort regelmäßig seine Leichenwagen warten: « Es bedeutet der Gemeinde sehr viel. Wir brauchen diese Institution hier. »
Finanzielle Herausforderungen und Niedergang
Trotz des Überlebens der Weltwirtschaftskrise und der Unruhen von Newark 1967 geriet Smitty’s in den folgenden Jahrzehnten in finanzielle Schwierigkeiten. Den Wendepunkt markierte in den 1970er Jahren eine kostspielige Renovierung der unterirdischen Benzintanks.
Der Bau des Society Hill-Wohnkomplexes in den 1980er und 90er Jahren verschärfte die Situation dramatisch. Obwohl das Projekt als Erfolg für Newarks Gesamtentwicklung gilt, blockierte es die Wickliffe Street an der Ecke zur Tankstelle. Diese ehemals wichtige Nord-Süd-Achse verlor praktisch ihren gesamten Verkehr, was die Benzinverkäufe erheblich beeinträchtigte.
| Jahr | Ereignis | Auswirkung |
|---|---|---|
| 1970er | Tanksanierung | Hohe Kosten |
| 1980er-90er | Society Hill Bau | Verkehrsrückgang |
| 2004 | Benzinverkauf eingestellt | Umsatzverlust |
| 2012 | Zwangsversteigerung | Eigentumsverlust |
2004 stellte Smith den Benzinverkauf komplett ein, da neue Umweltvorschriften eine weitere kostspielige Tanksanierung erfordert hätten. Seitdem hängen die verblassten Zapfsäulen wie Relikte vergangener Zeiten vor der Station, abgesperrt durch ölverschmierte orangefarbene Verkehrshütchen.
Das Ende einer Ära und ungewisse Zukunft
Anthony Smith, heute 69 Jahre alt und ursprünglich angehender Gynäkologe, übernahm 1981 das Familienunternehmen. Nach dem Tod seines Großvaters 1991 führte er die Werkstatt vier Jahrzehnte lang weiter. Doch die Steuerschulden von etwa 500.000 Dollar inklusive Zinsen und Strafgebühren wurden untragbar.
Die Stadt Newark pfändete die Immobilie bereits 2012, ließ Smith aber weiterhin dort arbeiten. 2021 wurde das Grundstück an Invest Newark übertragen, die städtische Entwicklungsgesellschaft für beschlagnahmte Immobilien. Eine vorübergehende Vereinbarung ermöglichte Smith, für 500 Dollar monatlich zu bleiben, bis er 2023 die Zahlungen einstellte.
Heute arbeiten nur noch vier Mechaniker in der Werkstatt, darunter Marcos Caceras, der die historische Bedeutung seines Arbeitsplatzes zu schätzen weiß: « Es erfüllt mich mit Freude, dass wir so viele Jahre hier waren und die letzten sind, die noch stehen. » Die Werkstatt überlebt hauptsächlich durch Autoreparaturen und Parkplatzgebühren von Stammkunden des nahegelegenen Essex County-Verwaltungskomplexes.
Richter Louise Grace Spencer ordnete im vergangenen Monat die Räumung bis zum 23. August an. Smith hofft auf eine Verlängerung, um die über 90 Jahre angesammelten Werkzeuge, Ersatzteile und Erinnerungsstücke ordnungsgemäß unterzubringen. Verschiedene Investoren, darunter eine weitere Ölgesellschaft, zeigten Interesse, doch nichts materialisierte sich.
Marcus Randolph von Invest Newark schließt eine neue Tankstelle oder einen Convenience-Store am Standort nicht aus, betont aber: « Es gibt Anforderungen. Eine davon ist die Zahlung von Grundsteuern. » Die Zukunft des historischen Standorts bleibt ungewiss, während eine fast hundertjährige Tradition ihr Ende findet.



