Frankreich hatte lange auf der Linie beharrt : kein Rückzieher beim 100-Prozent-Ziel für Elektroautos bis 2035. Doch hinter den Kulissen sah die Realität anders aus. Nach Informationen des deutschen Wirtschaftsblatts Handelsblatt haben sich Berlin und Paris auf eine neue Runde von Zugeständnissen geeinigt, die das europäische Elektromobilitätsziel deutlich weicher macht als bisher vorgesehen. Deutschland hat dabei offenbar die stärkere Position ausgespielt, und Frankreich hat dafür etwas anderes bekommen.
Von 100 % auf 80 % : wie das Elektroziel schrumpft
Um den Hintergrund zu verstehen, muss man kurz zurückblicken. Die EU hatte 2023 beschlossen, dass ab 2035 nur noch reine Elektrofahrzeuge in Europa verkauft werden dürfen. Kein Verbrenner mehr, keine Ausnahmen für Hybride. Das war der ursprüngliche Plan. Dann kam die erste Aufweichung Ende 2025 : statt 100 % sollten 90 % der verkauften Neuwagen elektrisch sein, und die restlichen 10 % durften weiterhin mit Verbrennungsmotor laufen, aber nur mit CO2-ärmeren Kraftstoffen wie synthetischen Treibstoffen.
Ces e-fuels sont aujourd’hui encore très coûteux à produire en grande échelle. Das Problem dabei : diese synthetischen Kraftstoffe sind heute noch extrem teuer und technologisch aufwendig herzustellen. Sie als reale Alternative anzubieten, war für viele Hersteller kaum mehr als ein Papierkompromiss.
Jetzt kommt der nächste Schritt. Laut den deutschen Journalisten des Handelsblatts soll die Quote nochmals um 10 Prozentpunkte gesenkt werden, auf 80 % Elektroanteil im Neuwagenmix bis 2035. Und diesmal ohne eine verpflichtende CO2-Kompensationspflicht für die verbleibenden 20 %. Das ist kein kosmetischer Eingriff mehr. Es bedeutet, dass ein Fünftel aller in der EU verkauften Neuwagen im Jahr 2035 noch einen konventionellen oder hybriden Antrieb haben darf.
Hier eine Übersicht über die Entwicklung der EU-Elektroquote seit 2023 :
| Jahr der Einigung | Elektroquote 2035 | Ausgleichspflicht |
|---|---|---|
| 2023 | 100 % | Keine (totales Verbrennerverbot) |
| Ende 2025 | 90 % | Ja, CO2-neutrale Kraftstoffe |
| 2026 (geplant) | 80 % | Nein |
Offiziell beschlossen ist das noch nicht. Berlin und Paris müssen die Zustimmung der anderen EU-Mitgliedsstaaten und der Europäischen Kommission einholen. Aber dass sich die beiden größten Wirtschaftsmächte der EU vorab abgestimmt haben, ist politisch kein unwichtiges Signal.
Deutschlands Kalkül : Verbrenner retten, Handelsdruck erhöhen
Warum hat Deutschland diesen Kurs so konsequent verfolgt ? Die Antwort liegt in der Industriestruktur. Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz beschäftigen in Deutschland direkt und indirekt mehrere Hunderttausend Menschen. Der Umstieg auf reine Elektrofahrzeuge verläuft schleppender als erhofft : Im ersten Halbjahr 2026 lag der Marktanteil reiner Elektroautos in Deutschland bei rund 18 %, weit entfernt von dem, was 2035 nötig wäre.
Friedrich Merz, der seit Februar 2025 als Bundeskanzler amtiert, hatte intern immer Skepsis gegenüber einem starren 100-Prozent-Ziel gezeigt. Für ihn ist Technologieoffenheit kein Schlagwort, sondern ein industriepolitisches Prinzip. Hybridfahrzeuge, Plug-in-Hybride und hochwertige Verbrenner mit schadstoffarmen Kraftstoffen sollen nach Berliner Lesart weiterhin eine Zukunft haben.
Der deutsch-französische Kompromiss funktioniert nach einem klaren Tauschprinzip. Deutschland bekommt eine weichere Elektroquote, Frankreich bekommt schärfere Einfuhrzölle auf importierte Elektroautos. Die anvisierten Maßnahmen umfassen vor allem :
- Höhere Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge und Hybride
- Strengere Herkunftsregeln für Fahrzeuge, die von EU-Subventionen profitieren
- Mögliche fiskalische Benachteiligungen für außereuropäische Fahrzeugmodelle
Für Paris ist das kein schlechter Deal. Die französische Automobilindustrie, mit Renault und Stellantis als Hauptakteuren, hat stärker auf Elektromobilität gesetzt als die deutschen Premiumhersteller. Aber sie kämpft trotzdem mit der chinesischen Konkurrenz, die in Europa immer aggressiver auftritt. BYD, SAIC und Chery bieten Modelle an, die preislich oft 20 bis 30 % günstiger sind als europäische Pendants.
Protektionismus als europäisches Zukunftsmodell ?
Frankreich hat also nicht einfach kapituliert. Es hat seine ursprüngliche Position zur Elektroquote aufgegeben, dafür aber eine härtere Handelspolitik erkauft. Emmanuel Macron hatte in den letzten Monaten wiederholt betont, dass der europäische Markt kein Freihandelsparadies für subventionierte asiatische Hersteller sein darf. Mit diesem Kompromiss bekommt er zumindest einen Teil dieser Linie bestätigt.
Frankreich hatte noch im Jahr 2025 öffentlich ausgeschlossen, die 100-Prozent-Quote infrage zu stellen. Heute sitzt dieselbe Delegation mit Berlin an einem Tisch und handelt ein 80-Prozent-Ziel aus. Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende, auch wenn sie politisch nicht so kommuniziert wird.
Für Verbraucher hat das konkrete Auswirkungen : Ein größeres Angebot an Hybridfahrzeugen bis 2035 dürfte sich auf dem Markt halten. Wer heute plant, 2030 ein neues Auto zu kaufen, wird wahrscheinlich noch deutlich mehr Auswahl bei Nicht-BEV-Modellen haben als ursprünglich gedacht.
Die Entwicklung zeigt auch, dass die EU-Automobilpolitik kein starres Regelwerk ist, sondern ein laufender Verhandlungsprozess. Wer glaubt, das 2035-Ziel sei in Stein gemeißelt, sollte die letzten drei Jahre als Lehrstunde betrachten. Für Hersteller, Zulieferer und Autofahrer bedeutet das vor allem eines : Flexibilität ist wichtiger denn je, und frühzeitige Technologiewetten auf eine einzige Antriebsart könnten sich als riskant erweisen.
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