Autounfall : Wie der US-Markt bis 2040 schrumpft

Zwei Autos kollidieren auf verlassener Straße bei Sonnenuntergang

17,6 Millionen Fahrzeuge in einem einzigen Jahr, das war 2016, der absolute Rekord auf dem US-Automobilmarkt. Heute, zehn Jahre später, deutet vieles darauf hin, dass dieser Wert nie wieder erreicht wird. Analysten von Bain & Company gehen noch weiter : Ihre Prognosen zeigen, dass der amerikanische Markt bis 2040 um mehr als zwei Millionen Einheiten pro Jahr schrumpfen könnte. Kein vorübergehender Abschwung, sondern eine strukturelle Wende.

Demografischer Wandel als treibende Kraft des Markteinbruchs

Mark Gottfredson, Partner bei Bain & Company, bringt es auf den Punkt : Die Automobilindustrie hat historisch gesehen immer auf einem jährlichen Wachstum von rund einem Prozent basiert, parallel zur Bevölkerungsentwicklung. Dieses Fundament bröckelt. Die Geburtenrate in den USA lag 2025 bei etwa 1,6 Geburten pro Frau, deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1, das die Centers for Disease Control als Referenzwert nennen.

Bisher hat relativ starke Einwanderung diesen Rückgang ausgeglichen. Historisch gesehen kamen rund eine Million Menschen jährlich in die USA. Bain erwartet jedoch, dass restriktive Einwanderungspolitik in den nächsten 15 Jahren die Nettozuwanderung im Vergleich zu den letzten zwei Jahrzehnten halbieren wird, auf Niveaus, die zuletzt 2019 verzeichnet wurden. Weniger Menschen bedeuten schlicht weniger potenzielle Käufer.

Gottfredson selbst spricht von einem „perfekten Sturm ». Der Bevölkerungsrückgang ist dabei nur der Ausgangspunkt. Hinzu kommt ein Wandel im Verhalten der verbleibenden Bevölkerung, besonders bei jungen Erwachsenen. Nur noch 50 % der 16-Jährigen besitzen heute einen Führerschein, zwischen 1966 und 1984 waren es fast 70 %. Zwar holen die meisten bis 25 Jahren nach, aber der Anteil junger Käufer zwischen 18 und 34 Jahren an den Neuzulassungen fiel laut S&P Global Mobility von 12 % im ersten Quartal 2021 auf unter 10 % Mitte 2025.

Wer kauft dann noch ? Käufer ab 55 Jahren machen fast die Hälfte aller Neuzulassungen aus und dominieren dieses Segment seit acht Quartalen in Folge. Eine Käuferbasis, die zwangsläufig altert.

Preisexplosion und Alternativen : Warum junge Käufer aussteigen

Craig Daitch, Gründer und Präsident von Telemetry, einem Marktforschungsunternehmen für die Automobilindustrie, nennt die Kernursache ohne Umschweife : die Erschwinglichkeit. Die monatlichen Raten für Neuwagen sind in vier Jahren um 30 % gestiegen. Fast jedes fünfte neue Fahrzeug kostet heute mehr als 1.000 Dollar pro Monat in der Finanzierung.

Sam Fiorani, Vice President of Global Vehicle Forecasting bei AutoForecast Solutions, ergänzt : Jüngere Menschen greifen lieber auf Uber oder Lyft zurück, wenn sie irgendwo hinfahren müssen. Der Wunsch, ein Auto zu besitzen, ist zwar noch vorhanden, aber schlicht für immer weniger Menschen finanzierbar.

Indikator Wert 2025 Prognose 2040
Führerscheinquote (16-Jährige) ~50 % ~47–48 % (mit Robotaxis)
Abmeldequote Fahrzeuge ~5 % ~4,4 %
Durchschnittliches Fahrzeugalter 12,8 Jahre Weiter steigend
Neuzulassungen pro Jahr ~16 Millionen Unter 14 Millionen möglich

Robotaxis könnten diesen Trend noch verstärken. Werden sie in den nächsten 15 Jahren weit verbreitet und erschwinglich, könnte der Anteil der Bevölkerung mit Führerschein um 2 bis 3 Prozentpunkte auf rund 85 % sinken. Die Fahrzeugdichte könnte von 1,2 auf 1,1 Autos pro Fahrer fallen, was bedeutet, dass 10 bis 20 % der US-Haushalte ein Fahrzeug aufgeben würden.

Längere Fahrzeuglaufzeiten und ein schrumpfendes Marktsegment

Ein weiteres Signal für die strukturelle Verschiebung ist die sinkende Abmelderate von Fahrzeugen. Im Jahr 2000 lag sie bei 6 %, 2025 bei etwa 5 %, und Bain erwartet einen weiteren Rückgang auf 4,4 % bis 2040. Der Grund : Fahrzeuge halten schlicht länger. S&P Global Mobility verzeichnete 2025 ein Rekorddurchschnittsalter von 12,8 Jahren auf amerikanischen Straßen.

Fiorani bringt es direkt auf den Punkt : Bei einem Kaufpreis von 50.000 oder sogar 100.000 Dollar kann niemand ernsthaft erwarten, dass das Fahrzeug nach einem Jahrzehnt schrottreif ist. Die Industrie wird gezwungen sein, Autos länger servicefähig zu halten, was die Erneuerungszyklen weiter verlängert und den Absatz bremst.

Allerdings gibt es Unsicherheiten. Die Langlebigkeit von Elektrofahrzeugbatterien ist noch nicht vollständig geklärt. Und wie lange Hersteller bereit oder in der Lage sein werden, die zunehmend systemkritische Software ihrer Fahrzeuge zu aktualisieren, bleibt offen.

Vier zentrale Faktoren, die den US-Markt bis 2040 belasten werden :

  • Rückläufige Geburtenraten weit unter dem Bestandserhaltungsniveau
  • Halbierung der Nettomigration durch restriktive Einwanderungspolitik
  • Explodierte Fahrzeugpreise und sinkende Kaufkraft junger Generationen
  • Verlängerte Fahrzeuglaufzeiten, die den Erneuerungsbedarf reduzieren

Das Ergebnis ? Rund 450 Fahrzeugmarken konkurrieren bereits heute auf dem US-Markt. Gottfredson warnt, dass der Wettbewerb noch deutlich aggressiver wird. Zu viele Hersteller kämpfen um eine schrumpfende Käuferbasis. Eine Konsolidierung der Branche ist aus seiner Sicht unvermeidlich.

Was Hersteller und Verbraucher jetzt konkret einkalkulieren sollten

Gottfredson hatte ursprünglich 2030 als Jahr prognostiziert, in dem der US-Markt unter 14 Millionen Einheiten fallen würde. Er hat diese Annahme revidiert, weil autonome Fahrzeuge langsamer als erwartet Marktreife erreichen. Die demografischen Daten dagegen sind unveränderlich : Wir wissen bereits, wie viele Menschen in 16 Jahren das Fahrerlernalter erreichen werden. Der Rückgang bis 2040 ist demographisch eingepreist.

Für Verbraucher bedeutet das konkret : Wer heute einen Neuwagen kauft, sollte realistisch mit einer Nutzungsdauer von mindestens 12 bis 15 Jahren planen. Der Wiederverkaufswert wird langfristig unter Druck stehen, wenn das Angebot die sinkende Nachfrage übersteigt. Für junge Menschen unter 35 lohnt es sich, Alternativen wie Car-Sharing oder Ride-Hailing ernsthaft als langfristige Strategie zu prüfen, nicht nur als Notlösung.

Hersteller hingegen stehen vor einer strategischen Weichenstellung : Wer weiterhin auf Volumenwachstum setzt, wird sich irren. Wer frühzeitig auf margenstarke Nischensegmente, Software-Erlösmodelle und Serviceverträge umstellt, positioniert sich für einen Markt, der kleiner, aber nicht unbedingt weniger profitabel sein muss.

hanna
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