53 Maschinen – das war die ursprüngliche Bestellung der Luftwaffe beim Programmstart des Airbus A400M. Die letzte davon wurde kürzlich ausgeliefert. Doch statt das Kapitel zu schließen, könnte Berlin schon bald neue Seiten aufschlagen : Laut dem deutschen Fachportal Hartpunkt, das sich auf gut informierte Quellen beruft, laufen derzeit Gespräche zwischen dem Bundesverteidigungsministerium und Airbus Defence & Space über die Lieferung von 10 bis 20 zusätzlichen A400M-Transportflugzeugen an die Luftwaffe.
Eine Nachbestellung, die niemand bestätigt – aber auch niemand dementiert
Auf Anfrage reagierte ein Airbus-Sprecher mit bemerkenswerter Zurückhaltung : „Wir kommentieren grundsätzlich keine laufenden oder möglichen Kundengespräche. » Er fügte jedoch hinzu, dass einige Beschaffungskampagnen sich „in einer entscheidenden Phase » befänden – eine Formulierung, die kaum zufällig gewählt wirkt. Das Bundesverteidigungsministerium schwieg vollständig.
Dieses doppelte Schweigen ist kein Zufall. Rüstungsverhandlungen dieser Größenordnung laufen selten öffentlich ab. Trotzdem liefert der Kontext starke Hinweise : 2011 hatte die Luftwaffe noch angekündigt, 13 ihrer A400M wieder verkaufen zu wollen. Von diesem Plan ist heute keine Rede mehr. Im Gegenteil – Deutschland scheint seinen Bedarf an strategischer Transportkapazität grundlegend neu zu bewerten.
Für Airbus wäre ein solcher Auftrag mehr als willkommen. Der Konzern warnt seit Längerem davor, dass die Montagelinien für den A400M mangels Exportverträgen stillgelegt werden könnten. Jean-Brice Dumont, Leiter der Sparte Militärflugzeuge bei Airbus, hatte dies im vergangenen Jahr klar benannt : Unter einer Produktionsrate von acht Flugzeugen pro Jahr riskiere man, dass Zulieferer ihr Interesse am Programm verlieren und sich lukrativeren Aufträgen zuwenden. Eine deutsche Nachbestellung würde diese Schwelle sichern – und den Fortbestand des Programms weit über 2028 hinaus stabilisieren.
Frankreich und Spanien haben bereits reagiert. Im vergangenen Juni unterzeichneten beide Länder Absichtserklärungen mit Airbus : Paris sicherte vier, Madrid drei vorzeitig gelieferte A400M zu – ausdrücklich, um die Auslastung der Produktion zu garantieren. Eine deutsche Bestellung würde diese europäische Solidaritätsaktion auf ein ganz anderes Niveau heben.
Nicht einfach mehr vom Gleichen – der A400M hat sich weiterentwickelt
Hier lohnt ein genauer Blick auf die Technik. Der A400M ist kein statisches Produkt – er hat sich seit den ersten Auslieferungen erheblich verändert. Verschiedene Ausbaustufen erweitern die Fähigkeiten des Flugzeugs schrittweise :
- Standard-Transportkonfiguration : taktischer und strategischer Lufttransport von bis zu 37 Tonnen Nutzlast
- Luftbetankungsfähigkeit : Übertragung von Treibstoff an andere Flugzeuge oder Hubschrauber im Flug
- Schwerer Kampfflugzeug-Modus (in Entwicklung bei der Armée de l’Air et de l’Espace) : Einsatz von Drohnen, Marschflugkörpern und elektronischer Kriegsführung
- Maritime Patrouillemission : Seeüberwachung und Aufklärung
Das bedeutet : Die 10 bis 20 zusätzlichen Maschinen, über die Berlin nachdenkt, müssen nicht zwingend die Gesamtzahl der deutschen A400M auf 63 oder 73 erhöhen. Es ist durchaus denkbar, dass neuere, leistungsfähigere Versionen ältere Exemplare ersetzen – oder dass einige der frühen Maschinen an Drittländer weiterverkauft werden. Eine Flottenerneuerung, keine bloße Erweiterung.
| Land | Bestellte A400M (original) | Aktuelle Entwicklung |
|---|---|---|
| Deutschland | 53 | Gespräche über 10–20 Zusatzmaschinen |
| Frankreich | 50 | +4 vorzeitig + 6 zusätzlich per LPM 2024–30 |
| Spanien | 27 | +3 vorzeitig bestellt (Juni 2025) |
Frankreich geht dabei besonders weit : Das aktualisierte Militärprogrammgesetz (LPM 2024–2030) sieht insgesamt 41 statt ursprünglich 35 A400M für die Armée de l’Air et de l’Espace vor. Sechs Maschinen mehr – mit dem erklärten Ziel, einen Teil davon zu schweren Kampfflugzeugen umzurüsten, die Drohnen steuern, Marschflugkörper abfeuern und elektronische Kriegsführung betreiben können. Ein Paradigmenwechsel im Umgang mit dem Transportflugzeug.
Was eine deutsche Entscheidung strategisch bedeuten würde
Die Bundeswehr befindet sich seit 2022 in einem tiefgreifenden Umbauprozess. Das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro hat die Beschaffungsdynamik verändert – und der Bedarf an Lufttransportkapazität steht weit oben auf der Prioritätenliste. Wer Truppen schnell verlegen, Material in Krisengebiete fliegen oder alliierte Kräfte unterstützen will, braucht genau das, was der A400M bietet.
Mein Eindruck ist klar : Wenn diese Nachbestellung tatsächlich zustande kommt, wäre es kein reiner Einkauf – sondern ein politisches Signal. Deutschland würde zeigen, dass es nicht nur zahlen, sondern auch strategisch denken kann. Eine Luftwaffe mit 63 oder mehr A400M, darunter modernisierte Versionen mit erweiterten Kampffähigkeiten, wäre ein anderes Kaliber als bisher.
Gleichzeitig sollte man realistisch bleiben : Solche Verhandlungen dauern. Zwischen Absichtserklärung und Vertragsunterzeichnung liegen oft Jahre. Die nächste entscheidende Frage lautet, ob Berlin sich auf eine verbindliche Bestellung einlässt – oder ob diese Gespräche im parlamentarischen Sande verlaufen. Für Airbus und seine Zulieferer hingegen läuft die Uhr. Jeder Monat ohne neuen Auftrag bringt die Produktionslinie näher an einen Punkt, von dem es kein einfaches Zurück gibt.
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